Seit zwei Jahren muss Helga Lippmann in der Oederaner Gartensparte "Morgensonne auf ihre abgebrannte Gartenlaube schauen.
Foto: Toni Söll
Brandstifter in der Nachbarschaft
Seit zwei Jahren hofft die Oederanerin Helga Lippmann auf Gerechtigkeit
Oederan/Chemnitz. Die Verhandlung gegen einen 54-jährigen Oederaner, der sich am Landgericht Chemnitz wegen Brandstiftung verantworten sollte, war am Dienstagmittag schnell beendet. Der Mann hatte die Berufung gegen das Urteil vom Freiberger Amtsgericht in letzter Sekunde zurückgezogen.
Vor zwei Jahren war er - mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut - in den Garten von Helga Lippmann eingebrochen und hatte ihre Laube in Brand gesetzt. Weil er von einem weiteren Gartenbesitzer dabei beobachtet worden war, kam ihm die Polizei schnell auf die Schliche und stellte ihn als Verdächtigen fest. Besonders pikant: Der Täter und die Geschädigte sind fast Gartennachbarn, beide sind Mitglieder im Oederaner Kleingartenverein "Morgensonne".
Drei Zeugen standen für die Verhandlung am Landgericht bereit, zwei Sachverständige aus Leipzig waren extra angereist. Auch in den Publikumsreihen wartete man gespannt auf den Prozess. Für Richter Markus Zimmermann, seine Beisitzerinnen und die Anwälte war der Arbeitstag dann jedoch schnell beendet. Nachdem der Angeklagte die Berufung nun zurückgezogen hat, wird der Schuldspruch des Amtsgerichtes Freiberg rechtskräftig. Dort war er im März zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Kleingärtner hoffen auf Ruhe
"Ich bin sehr froh, dass das nun erst einmal vorbei ist", sagte Helga Lippmann nach der Verhandlung. "Wir hoffen, dass nun wieder Ruhe und Frieden in unsere Gartenanlage einziehen kann", ergänzte Vereinschef Günter Föhst. Eigentlich sei der Mann ein unauffälliger Gartenbesitzer gewesen. "Seine Parzelle ist immer in Ordnung", sagte Föhst noch. Der Verurteilte ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt: Zwölf Vorstrafen - von Diebstahl über Beleidigung bis Hausfriedensbruch - füllen seine Akte.
Dennoch kann dieser Fall noch nicht endgültig abgeschlossen werden. Der Anwalt des Regionalverbandes der Freiberger Kleingärtner hatte die Verhandlung als Zuschauer verfolgt. "Wir werden nun noch mit seiner Hilfe ein zivilrechtliches Verfahren anstreben, um einen Schadensersatz zu erhalten", machte der Oederaner Gartenvereinschef deutlich. "Es geht dabei um das Ansehen unserer Anlage. Wir wollen, dass dort eine neue Laube hinkommt. Denn bei uns sind Gärten frei, für die wir Pächter suchen."
Helga Lippmann ist enttäuscht
Auf rund 1500 Euro wurde der angerichtete Schaden damals geschätzt. Für die Laubenbesitzerin ist der ideelle Schaden jedoch ungleich höher. Seit 32 Jahren pflegt sie ihre Scholle. Persönliche Schicksalschläge verbinden sie noch enger mit ihrem Gartengrundstück. "Ich weiß nicht, ob ich noch die Kraft habe, alles wieder aufzubauen", sagte die 67-Jährige unsicher.
Enttäuscht ist sie von dem Verurteilten in doppelter Hinsicht. "Wir hatten nie miteinander Streit. Ich weiß nicht, warum er mir das angetan hat", sagte die Seniorin. Und auch eine längst fällige Entschuldigung sei ihr der Vereinskollege bis heute schuldig geblieben.


