Chinesenviertel Scheinbar von der Welt vergessen: die Häuser am Fabrikweg im sogenannten Chinesenviertel in Falkenau. Seit Jahren wurde hier nichts gemacht. Der Besitzer sitzt weit weg in Nordafrika.

Foto: Toni Söll

China trifft Afrika und nichts passiert

Am Rande von Falkenau liegt das Chinesenviertel - Keiner weiß, was damit wird

Falkenau. In China boomt es. Was man vom Chinesenviertel in Falkenau nicht behapten kann. Die Ecke oberhalb des Getränkeladens "Freibank" ist alles andere als schön. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Graue Häuser, viele Wohnungen leer. Die Außenanlagen kaum gepflegt. Ein Schandfleck im Dorf. "Beschämend ist das schon", sagt Falkenaus Bürgermeister Martin Müller (AUW). FDP-Gemeinderat Frieder Neumann fügt hinzu: "Zum Glück ist das ein bisschen Randgebiet von Falkenau. Da gehen nur die hin, die dort wohnen."

Und das werden immer weniger, denn der Verwalter und Vermieter bewusster Häuser Fabrikweg 3/4, 6 sowie 7/8, die Künne Immobilien Gruppe mit Sitz auf der Moscheles- straße 9 in Leipzig, hat seit Jahren an den Gebäuden nichts getan. Von den 52 Wohnungen darin sind nach Angaben von Künne-Mitarbeiter David Hoff noch elf bewohnt.

Das war in den Glanzzeiten des Viertels ganz anders, denn die Häuser, laut Müller waren es 20 in ganz Falkenau, wurden ursprünglich für die Arbeiter der Liebermannschen Baumwollspinnerei gebaut. Wie das Viertel zu seinem Namen kam, kann er nicht genau sagen: "Entweder rührt er daher, dass in den Häusern viele Arbeiterfamilien mit vielen Kindern auf engstem Raum zusammengepfercht wohnten. Oder er kommt von chinesischen Hausierern, die hier ein- und ausgingen." FDP-Gemeinderat Dietmar Wildner kennt noch eine andere Version: "Viele der Frauen, die hier einst wohnten, sollen einen Zopf getragen haben."

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Gebäude laut Müller an die SVK, die Sozialversicherung. Da die nach der Wende nicht enteignet werden durfte, sei über den Einigungsvertrag eine Landessiedlungs- und Entwicklungsgesellschaft gegründet worden. Die Kommune blieb außen vor. Ende der 1990er-Jahre habe das Land die Häuser abgestoßen. Erst habe sie ein französisches Unternehmen gekauft, später ein englisches. Nun sollen sie einem Libyer gehören. Genaues weiß Müller nicht. "Der Eigentümer kommt aus Nordafrika", lautet die territorial sehr weiß gefasste Auskunft der Leipziger Verwalter. "Wir haben anfangs mit dran gedreht, dass sich hier was tut, aber jetzt bin ich froh, dass wir das Problem nicht an der Backe haben. Eine Sanierung wäre unverschämt teuer", sagt Müller.

Wie von David Hoff zu erfahren war, wird sich in dieser Beziehung in absehbarer Zeit nichts ändern. "Mit den Häusern passiert erst einmal nix, sie werden unverändert weiter bestehen bleiben", reagierte auf entsprechende Nachfrage der "Freien Presse". Verkauft werden sollen sie aber auch nicht. Ebenso gebe es keine Überlegungen, das Areal ansehnlicher zu machen. "Dazu bedarf es Instandhaltungskosten." Was der Besitzer mit den Häusern im Falkenauer Chinesenviertel einmal vorhat, darüber hüllte sich Hoff trotz Nachfrage in Schweigen. Vielleicht weiß er es ja selbst nicht.

 
erschienen am 27.07.2011 ( Von Gudrun Frohmader )
 
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