Heidemarie Rost ist stolz auf das umfangreiche Angebot für Familien mit Kindern.
Foto: Claudia Dohle
"Der erste Schritt zu uns kostet sicher Mut und Überwindung"
Textil- und Möbelbasar Flöha hat sich innerhalb von fünf Jahren im Landkreis zu einer wichtigen Adresse entwickelt
Flöha. Flöha. Fein säuberlich sortiert stehen Gläser und Geschirr im weißen Ladenregal. In der Reihe dahinter ist die große Auswahl an Kinderbekleidung zu finden, komplettiert von Bettchen für die Lieblingspuppe, und auch ein schönes Puppenhaus steht bereit. Im Textil- und Möbelbasar Flöha in dem alten Fabrikgebäude an der Augustusburger Straße können sich Bedürftige eine vollständige Wohnungseinrichtung zusammenstellen. Sie zahlen dafür nur einen symbolischen Preis.
Zugegeben, das fünfstöckige Gebäude, in dem seit 1878 Buntpapier hergestellt wurde, ist nicht gerade eine Augenweide. Aber es hat sich in der Großen Kreisstadt innerhalb der vergangen fünf Jahre zu einer wichtigen Adresse entwickelt. "Trotzdem kommen zu uns auch immer wieder Leute, die erklären, dass sie zum ersten Mal etwas von unserem Angebot hören. Sie fragen, welche Spenden wir annehmen und wie das Prozedere abläuft", erzählt Projektleiterin Heidemarie Rost. In ihrem karg eingerichteten Büro klingelt beinahe ununterbrochen das Telefon.
Ja, die zwei festen Mitarbeiter und die 22 Hartz-IV-Empfänger, die aktuell hier für ein halbes Jahr Beschäftigung finden, haben immer gut zu tun. Da müssen Möbelspenden abgeholt werden. Der Transporter rollt wochentags beinahe ununterbrochen durch den Landkreis. Stationen sind nicht nur Flöha, sondern auch Frankenberg, Mittweida, Augustusburg, Chemnitz und Freiberg.
Die Frauen sortieren und waschen inzwischen die gespendeten Textilien. Die Männer übernehmen kleine und manchmal auch aufwändigere Reparaturarbeiten, damit die Schränke, Sofas, Betten, Tische und Stühle dahin ausgeliefert werden können, wo sie dringend benötigt werden. Kein Möbelstück landet achtlos im Sperrmüll, sondern wird schließlich in noch Verwertbares und Abfall zerlegt.
"Nein, Küchenteile haben wir zurzeit leider keine", muss die Diplomingenieurin für Textiltechnik einen Mann vertrösten und erzählt kurz darauf, dass nach diesen besonders oft nachgefragt wird. Küchen stünden nicht lange im Obergeschoss der alten Fabrik, denn eine Neuanschaffung sei für viele unerschwinglich. Was besser laufen könnte, wären die Kindersachen. "Wir haben zwar eine Reihe von jungen Müttern, die regelmäßig vorbeischauen. Aber es lohnt sich wirklich, zu uns zu kommen. Auch wenn der erste Schritt sicher Mut und Überwindung kostet", sagt Heidemarie Rost.
Träger des Projektes ist das Sozialwerk des Demokratischen Frauenbundes, der nach zwei Umzügen innerhalb der Stadt nun offensichtlich hier angekommen ist. Auf den mehreren hundert Quadratmetern in der Fabrik ist nicht nur Platz für Ausstellungsfläche, sondern auch für mehrere kleine Werkstätten. Unter den älteren Kunden hat sich inzwischen herumgesprochen, dass man sich mit einem kurzen Anruf selbst das Treppensteigen ersparen kann. Der Aufzug macht vieles leichter.
Service
Der Textil- und Möbelbasar Flöha, Augustusburger Straße 118 (Ortsausgang in Richtung Augustusburg), ist montags von 8 bis 16 Uhr, dienstags/donnerstags von 8 bis 17 Uhr, mittwochs von 8 bis 15 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Ein Anruf in Flöha lohnt sich immer, denn Spenden werden kostenfrei abgeholt.
Telefon 03726/2391


