Das Jahrhunderthochwasser im August 2002 riss in und um die damalige Geschäftsstelle der Wohnungsgenossenschaft an der Lessingstraße in Flöha alle beweglichen Gegenstände mit. Das Gebäude musste später abgerissen werden.
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Fast bis zum Dach im Wasser
Die Mitarbeiter der Wohnungsgenossenschaft Flöha retteten 2002 ihre Technik vor den Fluten
Flöha. Meist gewährt man neuen Mitarbeitern einige Monate Eingewöhnungszeit. Politikern beispielsweise wird eine Schonfrist von 100Tagen eingeräumt. Nicht einmal die Hälfte war Daniel Kästner vergönnt. Am 1. Juli 2002 hatte er seinen Job als Technischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Flöha angetreten. 43 Tage später musste der damals 30-Jährige zusammen mit seinen Mitarbeitern und den Mietern eine der größten Herausforderungen in der Geschichte der 1956 gegründeten Genossenschaft meistern.
Als die Fluten der Flöha am Vormittag des 12. August 2002 stiegen, versuchte Kästner zunächst, aus Orten weiter flussaufwärts Informationen über dortige Pegelstände zu erlangen. Die Nachrichten waren alarmierend, weil die Geschäftsstelle der Wohnungsgenossenschaft damals in einem eingeschossigen Gebäude an der Lessingstraße untergebracht war - gleich neben der Flöha. "Wir wollten zuerst die Computertechnik bergen", erzählt Kästner, "haben aber den Zeitaufwand für die Zerlegung von sieben Arbeitsplätzen unterschätzt." Für weitere Rettungsaktionen blieb kaum noch Zeit. Ein Firmenwagen versank in den Fluten, Aktenordner legte Kästner in der Eile auf den Schrank. "Ich dachte, da wären sie sicher."
Als am folgenden Tag die ganze Dimension der Katastrophe deutlich wurde, rückte eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie geht es den Mietern in Flöha? "Zum Glück sind die Gebäude in der Nähe der Flöha alle relativ hoch gebaut, sodass nur die Keller vollliefen, aber nicht die Wohnungen." Nach dem Rückgang der Fluten besorgte Kästner Industrietrockner, die zwei Wochen lang Heißluft in die Keller pumpten, um die Wände zu trocknen.
Diese organisatorischen Arbeiten gestalteten sich für den Flöhaer umso schwieriger, als die Geschäftsstelle bis zum Dach im Wasser versunken war. Der Schrank war umgefallen - und kein einziger Ordner hatte die Katastrophe unbeschadet überstanden. Feuchtigkeit und Schlamm setzten den Dokumenten zu. "Was mit Tinte ausgefüllt war, war weg." Kästner ließ die wichtigsten Unterlagen kopieren, mehrere tausend Blatt. Andere Dokumente befinden sich noch heute in dem Zustand, wie die Flut sie hinterlassen hat: gewellt und mit Schlammpartikeln übersät.
Das Zauberwort in den Wochen nach der Flut hieß deshalb Improvisation. "Wir hatten ja zunächst keinen Zettel mehr, keinen Stift, nichts", berichtet Kästner. "Mietverträge habe ich per Handschlag geschlossen und erst später schriftlich fixiert."
Rund einen Monat dauerte es, bis die Wohnungsgenossenschaft wieder handlungsfähig war. In der Ernst-Schneller-Straße wurde eine Interims-Geschäftsstelle eingerichtet - die dann für mehr als ein Jahr zur Heimat wurde. Denn das alte Gebäude an der Lessingstraße war nicht mehr zu retten. Erst 2004 konnte die Wohnungsgenossenschaft einen Neubau auf dem Areal der ehemaligen Schule an der Schillerstraße errichten, wo sie noch heute residiert.
Blickt Kästner heute auf das Jahrhunderthochwasser zurück, überwiegen trotz der Strapazen die positiven Aspekte: Kein Mieter wurde verletzt; alle halfen tatkräftig mit, die Keller zu säubern. Die Geschäftsstelle verfügt über modernere Räume als zuvor. Und auch finanziell überstand die Wohnungsgenossenschaft das Drama gut: Alle Gebäude waren versichert, sodass die Schäden in Höhe von 1,6 Millionen Euro ersetzt wurden.
Daniel Kästner hat seine Bewährungsprobe mit Bravour gemeistert.
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