Geld statt Bonus für Asylbewerber des Landkreises
Langjähriger Kampf geht zu Ende: Gutscheine werden abgelöst - Netzwerk "Integration Mittelsachsen" begrüßt Umstellung
Flöha/Freiberg. Flöha/Freiberg. Im Umgang mit seinen Asylbewerbern hinkt der Landkreis Mittelsachsen hinterher. Während im Freistaat fast ausnahmslos Bargeld an die Heimbewohner ausgezahlt wird, hielt die Kreisverwaltung bislang an der Ausgabe von Gutscheinen und Sachleistungen fest. Nun möchte auch Mittelsachsen zum 1. Januar 2011 sächsische Standards einführen. Asylbewerber erhalten für die Verpflegung dann Bares. Die Bewohner des Heimes an der Chemnitzer Straße in Freiberg haben in der Vergangenheit mehrfach auf das ungenügende Versorgungssystem aufmerksam gemacht. Vor allem Familien litten unter unzureichenden Angeboten. Sie verweigerten aus Protest sogar Essen. "Es ist für das Selbstwertgefühl wichtig, sich wie andere Menschen etwas kaufen zu können", verdeutlicht ein Bewohner.
Als "notwendig und wichtig für die Integration" schätzt Ilse Rose, Ausländerbeauftragte der Kreisverwaltung, die Umstellung ein. "Eher wäre besser gewesen. Bisher sah man Asylbewerber an der Kasse im Supermarkt schief an, wenn sie ihre Gutscheine herausholten", weiß Rose. Mit dem avisierten Umzug der Freiberger Heimbewohner nach Mobendorf sei Bargeld noch bedeutender. Rose: "Der Weg vom Dorf in die Stadt Hainichen ist mit Bussen möglich. Da kommt man nur mit Geld weiter. Außerdem könnten die Asylbewerber in allen Geschäften einkaufen."
Die Ausgabe von Gutscheinen sowie Sachleistungen sieht auch Ordnungsamtschef Peter Schubert als "nicht mehr zeitgemäß" an. Bis Ende 2009 bestellten die Betroffenen Kleidung und Gebrauchsgegenstände im Altkreis Freiberg sogar noch in Katalogen - der Wechsel auf Gutscheine vereinheitlichte die Praktiken im neuen Kreis. "Die Hilfeempfänger können mit Bargeld freizügiger über Anschaffungen entscheiden. Außerdem sparen wir Kosten für die Herstellung von Gutscheinen", nennt Schubert pragmatische Vorteile.
Die meisten Landkreise im Freistaat praktizieren schon das Bargeldprinzip. Zum 1. Oktober zieht Nordsachsen nach. Dennoch drückt die Landesdirektion Chemnitz auf die Bremse und zögert mit der Zustimmung für die Umstellung in Mittelsachsen. Landrat Volker Uhlig (CDU) kritisiert: "Alle Kreise rund um Chemnitz haben Bargeld. Nur wir müssen endlose Erklärungen abgeben." Auf Anfrage verweist Direktionssprecher Olaf Weiß auf eine nicht "stichhaltige Argumentation für die Umstellung". Diesen Monat wolle man aber die Probleme klären. Die Einführung der Bargeldausgabe an Asylbewerber hat das Netzwerk "Integration Mittelsachsen" begrüßt. Es sei an der Zeit, dass die Heimbewohner Geld statt Sachleistungen und Gutscheine erhalten. "Dies ermöglicht mehr Entscheidungsfreiheiten mehr Selbstbestimmung für die Asylbewerber", so Sprecher Hans de Lange.
Die Debatte um die geplante Schließung des Freiberger Wohnheims an der Chemnitzer Straße sieht das Netzwerk zwiespältig. "Einerseits sind wir dafür, dass es im Kreis nur noch ein Heim gibt - in Freiberg oder Döbeln. Mobendorf ist jedoch zu abgelegen", sagt de Lange. Soziale Kontakte und Sportvereine fehlten dann.


