"Reihenuntersuchung" nennt Dietmar Jolie (r.) dieses Foto, das ihn beim Hilfseinsatz in Kenia zeigt. Auch weit vom Krankenhaus des St.-Josephs-Hospitals Nyabondo entfernt werden die Behandlungen durchgeführt - gleich unter freiem Himmel, bei 30 Grad Celsius und einer Luftfeuchte von bis zu 70 Prozent.

Foto: PF

"Herr Doktor, erzählen Sie doch bitte mal ..."

Warum Zahnfüllungen bei Dietmar Jolie in Eppendorf derzeit etwas länger dauern

Eppendorf. Eppendorf. Eine Zahnfüllung in der Praxis von Dietmar Jolie dauert in diesen Wochen etwas länger. Ob die Behandlung weniger schmerzhaft erfolgt, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist der Zahnarztbesuch äußerst interessant. Der Eppendorfer Mediziner und seine Ehefrau Ellen sind erst kürzlich vom ihrem Hilfseinsatz aus dem ostafrikanischen Kenia zurückgekehrt. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn das Arzt-Patienten-Gespräch damit beginnt: "Herr Doktor, erzählen Sie doch bitte mal ..."

Es ist bereits das dritte Mal, dass der Mittelsachse sein Fachwissen einsetzt, um den Ärmsten der Welt zu helfen. 2009 arbeitete er unentgeltlich in der Kinderzahnklinik "Trudi Birger Dental Clinic" Jerusalem. Das Jahr zuvor war der promovierte Mediziner im südamerikanischen Ecuador tätig. Ehefrau Ellen begleitete den 52-Jährigen auch Anfang dieses Jahres, als Kenia das Ziel war.

Die Bitten um Unterstützung - hauptsächlich in der Weihnachtszeit - hätten ihn bewogen, nicht Geld, sondern die eigene Arbeit als Spende zu geben. "Ich wollte nicht bloß das Geld rüberreichen. Außerdem interessiere ich mich dafür, wie in anderen Ländern in meinem Fachgebiet gearbeitet wird", begründet Dietmar Jolie seine Entscheidung. Mittlerweile genießt er bei seinem Auslandseinsatz auch die Freiheit, sich auf seinen Beruf hundertprozentig konzentrieren zu können. Kein streng reglementiertes Gesundheitssystem schränke ihn ein, beschreibt der Mediziner.

In Ostafrika unterstützte Jolie den Verein "Arzt- und Zahnarzthilfe Kenya", ein privates Projekt deutscher Mediziner. Sie hatten vor zehn Jahren begonnen, die Arbeit von Franziskanerinnen zu unterstützen, die sich um die medizinische Versorgung der Landbevölkerung bemühen. Die Schwestern führen auch das St.-Josephs-Hospital in Nyabondo, das die ärztliche Betreuung in einem Gebiet sichert, in dem etwa 150.000 Menschen leben.

Der Verein hat inzwischen neun zahnärztliche Arbeitsplätze in Kenia ausgestattet. Aber die deutschen Zahnärzte behandeln nicht nur in den eingerichteten Praxen. Jolie: "Oft haben wir die Technik huckepack genommen und sind aufs Land gezogen. Dann behandelten wir die Patienten im Freien und gaben gleichzeitig unser Wissen an die kenianischen Kollegen weiter."

Beeindruckt hat den Eppendorfer das Patenschaftsprojekt der Initiative. Bedingt durch die HIV- Erkrankungen gibt es im Land unzählige Waisenkinder. Sie leben nicht nur in Armut, sondern haben keine Lebensperspektive. Durch Paten werden für diese Kinder Schulgeld, Krankenversicherung und lebensnotwendige Ausgaben übernommen. "Wir haben die Patenschaft für den 17-jährigen Leonhard übernommen. Für 370 Euro pro Jahr können wir ihm eine Zukunft sichern", erzählt der Mediziner, der seine Hand für das Projekt ins Feuer legen würde. Und deshalb nutzt er jede Gelegenheit, um in seiner Praxis (E-Mail: djolie@web.de) dafür zu werben.Leseprobe

 
erschienen am 05.03.2010 ( Von Katrin Kablau )
 
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