Kalkladung landet direkt im Stadtzentrum
Augustusburger werden eingenebelt - 1500 Hektar Wald in der Region müssen bis Mitte Oktober noch angeflogen werden
Augustusburg/Altenhain. Augustusburg/Altenhain. Noch einmal richtig Staub aufgewirbelt hat die Propellermaschine, die in den vergangenen Wochen vom kleinen "Flugplatz" bei Augustusburg im Viertelstundentakt gestartet ist. Kurz vor Abschluss der Kalkung der Schweddey, landete ein Teil der zwei Tonnen schweren Ladung aus dem Flugzeugbauch mitten im Augustusburger Stadtzentrum.
"Für das Missgeschick können wir uns nur entschuldigen", sagt Frank Knebel. Weil es an besagtem Freitag relativ windstill gewesen sei, habe sich der Pilot entschieden, die stadtnahen Gebiete zu düngen. Doch eine Windböe habe die leichteren Bestandteile der Ladung erfasst. "Deshalb gingen sie nicht über dem Wald, sondern über der Stadt nieder", erläutert der Sachbearbeiter Bereich Waldökonomie, Naturschutz und Forstförderung im Staatsbetrieb Sachsenforst. Die Abdrift - so der genaue Begriff im Fachjargon - habe keine Schäden angerichtet. Das Unternehmen jedoch bezahlte einige Autowäschen.
Vor einer Woche ist der Agrarflieger umgezogen und sollte nun eigentlich vom kleinen Platz bei Altenhain starten. Ziel der Flüge wären die Spitze des Oederaner Waldes und ein Bereich bei Schönerstadt. Doch erneut macht das regnerische Wetter den Forstleuten einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Das Flugzeug kann nicht starten.
Das Ziel: 6000 Hektar Privat- und Staatswald, vorwiegend Nadelwald, sollen bis Mitte Oktober mit wichtigen Nährstoffen aus der Luft versorgt werden. Ende Juli war mit der spektakulären Aktion - schon leicht verspätet - begonnen worden. 1500 Hektar müssen laut Knebel noch angeflogen werden. Weil die Zeit drängt, wurden jetzt zwei Maschinen der Firma FSB Airservice Heinrichsfelde (bei Berlin), angefordert. Das zweite kann in Witzschdorf starten und wird die Mörbitz anfliegen. Man hofft, mit dieser Aktion den zeitlichen Rückstand doch bis Mitte nächsten Monats wieder aufholen zu können.
Erstmals seit vielen Jahren erhalten die Waldflächen des Altkreises Flöha wieder "Medizin" aus der Luft. Diese wurden nach gründlichen Bodenuntersuchungen ausgewählt. Zwischen den Kalkungen liegen knapp zehn Jahre. Unterschieden wird auch nicht zwischen Privat- und Staatswald,. Das heißt, die Privatbesitzer können von diesem kostenlosen Service profitieren.
Etwa 2,2 Millionen Euro kostet die Kalkaktion in Sachsen in diesem Jahr, der Anteil des Forstbezirkes Chemnitz liegt bei 408.000 Euro. Finanziert wird der Einsatz aus Mitteln der Europäischen Union und durch den Freistaat. Mit der Bodenschutzkalkung will der Staatsbetrieb Sachsenforst der Bodenversauerung entgegenwirken. Durch die Düngung mit Magnesiumkalk wolle man die Böden schützen, ihre Vitalität verbessern, so ihre Widerstandsfähigkeit gegen Angreifer wie den Borkenkäfer erhöhen.
"Die Umweltbelastung besteht durch sauren Regen ja schon seit Jahrzehnten, hier ist langfristiges Handeln gefragt", erklärt Marion Uhlig, Pressesprecherin des Forstbezirkes Chemnitz. Wasserschutzgebiete, geschützte Biotope und andere spezielle Bereiche würden ausgespart.
Im Einsatz ist eine M 18 Dromedar, die zwei Tonnen gemahlenen Kalkstein pro Flug verteilt. Das Abwerfen ist meist in drei bis fünf Minuten erledigt. Das Beladen dauert nicht mal eine Minute. (mit FA)

