Bei der "Snowboard-Jam" in Augustusburg konnte Julian Bachmann (16) aus Chemnitz, hier beim Sprung über den Bully, den Pokal einheimsen.
Foto: Toni Söll
Snowboarder zeigen waghalsige Tricks
"Snowboard-Jam" lockt 50 Starter und rund 500 Gäste auf den Skihang
Augustusburg. Augustusburg. Samstag, 16 Uhr: Die warme Nachmittagssonne zaubert ein tausendfaches Glitzern auf den Skihang "Rosts Wiesen" in Augustusburg. Rap-Klänge bilden zu dieser spätwinterlichen Idylle einen reizvollen Kontrast. Zahlreiche Zuschauer haben sich zur "Snowboard-Jam" eingefunden - am Ende werden es rund 500 sein. Doch Beifall spenden die Besucher am Anfang eher selten. Das hat einen Grund: Angesichts der atemberaubenden Darbietungen gefriert ihnen geradezu das Blut in den Adern.
Zuschauer mehr als begeistert
Die Snowboarder gleiten auf einem sechs Meter langen lila-gelb getünchten Treppengeländer hinab, preschen weiter zu einer reichlich zwei Meter hohen Schanze und setzen meist noch eins drauf: Sie heben zum einfachen oder doppelten Überschlag ab. "Wahnsinn!", ruft Steffen Hänsel (37) aus Niederwiesa und schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf. "Wir sind ja Skifahrer, das ist eine ganz andere Welt für uns. Aber probieren würde ich das Snowboarden schon mal", sagt er mit leuchtenden Augen. Auch seine acht Jahre jüngere Frau Doreen und die fünfjährige Tochter Helene sind hellauf begeistert. Sogar der kleine Joel, der auf den Schultern seines Papas thront, blickt wie gebannt zu den Sportlern auf ihren farbenfroh lackierten Brettern.
Rund 50 Starter zeigen ihr Können - einen Mix aus unglaublicher Körperbeherrschung, enormer Kraft und nicht weniger großem Mut. "Wir haben die besten Snowboarder aus der Region dabei", erklärt Pierre Graupner (25) von der JRBK-Crew aus dem Erzgebirge, die den Wettstreit um die besten Tricks organisiert hat. Und die Veranstalter lassen sich einiges einfallen, um die "Snowboard-Jam" für Publikum und Sportler gleichermaßen zu einem Erlebnis werden zu lassen. Jeder Teilnehmer, der einen waghalsigen Sprung sauber landet und nicht stürzt, bekommt einen Fünf-Euro-Schein zugeworfen, gestiftet wird das Geld von Sponsoren. Auch einige Skispringer räumen Preise ab.
Nichts für schwache Nerven
Die besten Snowboarder, unter ihnen Toni Suetorius (23) und der gleichaltrige Toni Kurschat aus Oberwiesenthal sowie Sebastian Müller (26) aus Annaberg und Henry Holze (34) aus Freiberg, kassieren bis zu 30 Euro ein. Was wirklich in ihnen steckt, zeigen die Jungs beim Contest. Und der ist wirklich nichts für schwache Nerven. Die Snowboarder rutschen nicht nur über das Treppengeländer, sondern heben von der Schanze ab, um ein monströses Hindernis zu nehmen: einen zum Pistenbully umfunktionierten VW-Bus voller Graffiti. Einige schlittern auf der gesamten Dachlänge entlang, andere touchieren die linke Seite der Karosse und wieder andere setzen nur kurz auf einer Ecke auf und wirbeln dann weiter durch die Luft. Unglaublich. Das Publikum ist aufgetaut und honoriert die halsbrecherischen Aktionen mit Beifall und Jubelrufen. Die Stimmung ist am Siedepunkt.
Dass die Jam eher eine sportliche Gaudi-Veranstaltung als ein strenger Wettkampf ist, zeigt die Siegerehrung. Eigentlich sollen die Zuschauer das letzte Wort haben. Doch als ihr Applaus für mehrere Starter etwa gleichstark ist, sollen die Snowborder zunächst selbst einen Sieger festlegen. Und als auch dies nicht gelingt, darf ganz einfach der jüngste Teilnehmer entscheiden. Philipp Kallenbach (9) aus Chemnitz-Euba überlegt nicht lange: Der Pokal geht an Julian Bachmann (16) aus Chemnitz, der beispielsweise einen "Rodeo", einen Überschlag über den Kopf mit gleichzeitiger Längsdrehung, gezeigt hat.
"Alles hat super geklappt", lautete am Sonntag das Resümee von Mitveranstalter Pierre Graupner. "Wir haben nur positives Feedback und hoffen auf eine Wiederholung 2012." Verletzte habe es trotz mehrfacher Stürze glücklicherweise keine gegeben.Seite 12: Bericht


