Cyberport Wer bei Cyberport in Siebenlehn an der B 101 arbeitet, muss schwindelfrei wie Mitarbeiter Martin Zschommler sein. Der Neukirchener bereitet die nächsten Auslieferungen vor, greift sich die Waren aus dem Regal. Die Anweisungen hierfür entnimmt er dem Datengerät an seinem Arm.

Foto: Eckardt Mildner

Cyberport holt Ausbaupläne aus der Schublade

Firma plant Logistikzentrumvergrößerung für 2013

Siebenlehn. Nach oben, nach unten, zur Seite, und wieder nach oben - bis zu 1000-mal greift Martin Zschommler während der Schicht in die neun Meter hohen Regale. Der Mitarbeiter rangiert mit dem Gabelstapler auf der 8000 Quadratmeter umfassenden Lagerfläche zwischen den 6000 Palettenplätzen und 4800 Fachböden hin und her, als hätte er nie etwas anderes gemacht. "Das ist längst Routine", sagt der Neukirchener. Die Anweisungen kommen elektronisch aus dem Warenwirtschaftssystem SAP. Per Datengerät, das der junge Mann an seinem Arm trägt, liest er die nötigen Details wie Lagerplatz, Artikelbezeichnung und Menge ab. Erst wenn die Palette belegt ist, fährt Zschommler die Waren in die Verpackung. Dort verrät ein Code, wohin der Artikel auf die Reise geht, welche Versandart gewählt wurde. Bis zu 60 Lastkraftwagen transportieren täglich die Waren an und ab.

"Vor Heiligabend haben wir immer mehr zu tun", erklärt Standortleiter Stefan Zenker. Während des Weihnachtsgeschäfts sei das Logistikzentrum sogar auf Leiharbeiter angewiesen, die den derzeit 105 Beschäftigen unter die Arme greifen. Denn zu Spitzenzeiten gehen täglich mehr als 5000 Kundenaufträge online ein. Dahinter verbergen sich wiederum 15.000 Artikel, die ausgeliefert werden müssen. "Im Normalfall sind es 3000 Bestellungen und gut 9000 Produkte", fügt der 35-Jährige an. Da es sich um hochwertige Waren handelt, müssen die Mitarbeiter während der zwei Schichten beim Betreten und Verlassen der Halle eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen durchschreiten, die von einer Sicherheitskraft im Auge behalten wird.

Zenker ist davon überzeugt, dass der Online-Handel weiter an Bedeutung gewinnt. "Durch unsere Multichannelausrichtung haben wir den direkten Vergleich zwischen stationärem Handel und dem Onlinegeschäft", erklärt der Diplom-Betriebswirt, der seit 2008 wesentlich bei Planung und Aufbau des Siebenlehner Standorts mitgearbeitet hat. Die Menschen hätten immer weniger Zeit, begründet er. Nicht zuletzt würden Qualität, Sicherheit und kurze Lieferzeiten mehr und mehr Menschen ins Internet locken. "Als damals die Krise die meisten Betriebe spürbar nach unten riss, ging es bei uns weiter aufwärts. Wir erzielten zu diesem Zeitpunkt ein Umsatzplus von 30 Prozent", erinnert sich Zenker.

Um sich auf dem Markt weiter durchzusetzen, werde über neue Produktgruppen nachgedacht. Letzteres sei auch ein Grund für den für 2013 geplanten Ausbau des Standorts. "Wir werden im nächsten Jahr mit den Planungen für den Neubau beginnen, die Lagerfläche auf 17.000 Quadratmeter vergrößern. Das Gelände haben wir vor längerer Zeit erworben." Angesichts dessen müsse auch die Belegschaft aufgestockt werden. Vor allem junge und zuverlässige Leute werden gesucht. So will Cyberport 2013 neun Ausbildungsplätze schaffen. Derzeit sind es 15 Azubis, die sich in Siebenlehn ausbilden lassen - im gesamten Unternehmen sind es 30. Dabei hätten auch Mädchen eine Chance. Derzeit liege der Anteil der weiblichen Mitarbeiter bei 30 Prozent.

Für Großschirmas Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) ist die Firma ein Glücksfall und nicht mehr wegzudenken. "Wir sind froh über die Ansiedlung", sagt das Stadtoberhaupt. Kein Wunder: Denn Cyberport sponsert nicht nur den Sportverein Großschirma, auch die Mitstreiter des Freibads und die Feuerwehr im Stadtteil Siebenlehn können sich über die Unterstützung des Unternehmens nicht beklagen.

 
erschienen am 19.12.2011 ( Von Jochen Walther )
 
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