Rainer Faulhaber löst die Bremse für die Transmission des Fahrstuhles im Mühlenturm.
Foto: Eckardt Mildner
Die Geldmühle ist angeschoben
Wegefarther Ortsverein will Mühlenturm als Museum erhalten
Wegefarth. Das historische Wegefarther Gebäudeensemble an der Talstraße ist derzeit noch eine Mühle ohne Mühle. Doch das soll sich ändern: Der Wegefarther Ortsverein möchte den Mühlenturm von 1895 sanieren und als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Deshalb haben die Vereinsmitglieder im Oktober vergangenen Jahres eine Spendenaktion gestartet. Denn die Realisierung des Traums kostet eine ganze Menge Geld.
Können sie ihr Vorhaben nicht verwirklichen, wird aus dem Traum ein Albtraum. "Das Dach ist desolat, es regnet rein", berichtet Rainer Faulhaber, Vorstandsvorsitzender des Ortsvereins. Die Schäden innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes sind unübersehbar: Einige Balken faulen, die Fußbodenbretter haben zum Teil gefährliche Löcher. Die provisorischen Flickarbeiten werden das Gebäude auf Dauer nicht retten.
Deshalb machen die 17 Vereinsmitglieder jetzt mobil. Neben dem Dach müssen auch die Gebäudehülle saniert, Fenster und Türen erneuert werden. Gut 58.000 Euro kostet die Gesamtmaßnahme. Auf 40.600 Euro Fördermittel aus dem Programm zur Integrierten ländlichen Entwicklung (Ile) hoffen die Vereinsmitglieder. Allerdings ist der Fördertopf dieses Jahr bereits leer.
Folge: Die Sanierung ist erst für 2013 geplant. Das gibt dem Ortsverein auch Zeit, das restliche Geld zusammenzubekommen. "7000 Euro wollen wir als Verein aus dem Verkauf von Backwaren aus der historischen Schaubäckerei und aus dem Erlös von Veranstaltungen aufbringen", sagt Faulhaber. Deshalb wird dieses Jahr auch nichts investiert, sondern gespart. Bleibt die stolze Summe von etwa 10.400 Euro. "Die ersten Bürger und Unternehmen haben bereits gespendet", freut sich der Vorsitzende über die Resonanz.
Ein größerer Geldbeitrag kommt sogar von den Ahnen einstiger Mühlenbesitzer - von der Familie Zemmrich aus Hemsbach im Nordwesten Baden-Württembergs. Urgroßvater Carl-Friedrich Zemmrich und dessen Sohn Leo Zemmrich, geboren am 23. Mai 1842 in Wegefarth, führten einst die Mühle. "Das Ehepaar Zemmrich hatte ein Klassentreffen in Chemnitz und nutzte die Möglichkeit, das historische Ensemble zu besuchen", weiß Rainer Faulhaber. Beide seien begeistert gewesen, dass die Mühle erhalten bleiben soll.
Gelingt das Vorhaben, werden wohl auch viele andere Interessierte begeistert sein, denn die Technik im Mühlenturm ist zum großen Teil noch original erhalten. Dazu gehört zum Beispiel die Antriebswelle. "Die muss nur mal abgeschmiert werden, dann geht sie wieder", sagt Faulhaber mit einem Schmunzeln. Transmission, Haferquetsche, Fördertechnik, Vorratsbehälter und auch die alte Siebtechnik - all das soll zukünftig Besucher anlocken. Zu Demonstrationszwecken möchte der Verein die Mechanik wieder zum Laufen bringen und später - aber das ist Zukunftsmusik - auch mal wieder von einem Wasserrad antreiben lassen.
Schon jetzt sind die Backwaren aus der historischen Schaubäckerei beliebt. Das passende Bier dazu soll später im Mühlenturm ausgeschenkt werden. Und sogar eine eigene Kleinstbrauerei kann sich Faulhaber vorstellen. "Wir haben schon die ersten praktischen Versuche gemacht", berichtet er. Der Mühlenturm eigne sich zudem für Vorträge, Lesungen, kleinere Konzerte und volkskünstlerische Freizeitgestaltung. Ideen hat der Verein viele - nun müssen nur die Geldmühlen angeschoben werden, damit die Mühle eine Mühle hat.


