Auch in Bolivien (im Bild) haben die Freiberger Forscher bereits in einem Salzsee nach Lithium gesucht. Foto: Bergakademie
Freiberger Forscher finden Lithium-See in der Türkei
Wissenschaftler der TU Bergakademie haben eine Rohstoffquelle für Hightech-Batterien aufgetan
Freiberg/Ankara. Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg haben in der Türkei große Lithiumvorkommen entdeckt. In einem riesigen Salzsee 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Ankara haben sie bisher gut 300.000 Tonnen des für Hochleistungsbatterien in Elektrofahrzeugen besonders begehrten Leichtmetalls nachgewiesen. Das ist dreimal mehr, als derzeit in einer Lagerstätte im Erzgebirge erschlossen wird, die sich jedoch Sachsen und Tschechien teilen.
Das neue, völlig unbekannte Vorkommen schlummert im Tuz Gölü (türkisch für Salzsee), einem abflusslosen Gebirgssee von der doppelten Größe des Toten Meeres. Über Jahrmillionen haben sich in Zentralanatolien auf 1500 Quadratkilometern Mineralien aus Bergzuflüssen so stark konzentriert, dass es dieses Sammelbecken mit den salzigsten Gewässern der Erde aufnehmen kann. In jedem Kubikmeter der Salzlake haben die Freiberger Forscher dabei auch 300 Gramm Lithium nachgewiesen.
"Das Vorkommen verdient damit die Note gut", erklärt Wolfgang Voigt, international anerkannter Lithium-Forscher aus Freiberg, der bereits 2009 mit den Erkundungen vor Ort begonnen hat. Der Experte, der auch von Bolivien, Chile und China angefordert wird, kam eher per Zufall in die Türkei. Ein deutscher Presseartikel über eine drohende Lithium-Knappheit, in dem sich Voigt äußerte, geriet auf Umwegen in eine Rohsalz-Fabrik am Tuz Gölü. Die machte ihn an der Bergakademie ausfindig und lud ihn für Proben ein.
Wenige Monate später stand der Chemieprofessor an dem Salzsee. Da das türkische Unternehmen bei der Größe des Vorkommens nicht ins Lithiumgeschäft einsteigen wolle, so Voigt, sind nun Investoren gefragt. Auch Deutschland könne er sich gut vorstellen, weil es sich als Vorreiter für Elektromobilität versteht, aber kaum über nennenswerte Vorräte verfügt.
Nadja Schmidt, Doktorandin an der TU Bergakademie, war kürzlich zu ersten Bohrungen in der Türkei. Anhand ihrer Messungen lagern dort mindestens 300.000 Tonnen reines Lithium. "Die Lagerstätte ist sicher noch größer, doch dazu müssten die Erkundungen ausgeweitet werden", sagt sie. In Europa finden sich bisher nur in Serbien, Finnland und Österreich größere Lithium-Vorkommen.
Weltweit hat ein Wettlauf auf die Lagerstätten begonnen. Unter 100 neuen Projekten stehen Kanada, die USA, Australien und China an der Spitze. Etwa 30.000 Tonnen Lithium werden derzeit im Jahr produziert. Der Bedarf wird sich in gut zwei Jahren verdoppeln, so Voigt. Lithium wird seiner Meinung nach dennoch nicht knapp werden. Weltweit seien rund 40 Millionen Tonnen des Metalls gewinnbar.


11:06 Uhr
St0nemender: Wenn man bedenkt, dass wir noch keine Vorstellung davon haben, wie groß die Lithium-Lagerstätte Zinnwald in Sachsen wirklich ist, ist der Größenvergleich da oben einigermaßen abenteuerlich.
Man bedenke, dass Zinnwald damals nicht auf Li erkundet wurde und auch die Analytik nicht besonders genau war.