Die Kurprinz GmbH Großschirma ist am Ende. Jens Plaza, Jörg Kolbe, Gerald Graf, Jürgen Schumann, Peter Bormann und Lutz Göhzold (v. l.) müssen auf Arbeitssuche gehen.
Foto: Eckardt Mildner
Im "Kurprinz" geht das Licht aus
Das traditionsreiche Pappenwerk schließt Ende August
Grosschirma. Für 35 Mitarbeiter der Kurprinz GmbH schließen sich Ende August die Werkstore an der Mulde für immer. "Am 8. August war meine letzte Schicht", erzählt Steffen Rieck, seit 17 Jahren Maschinenführer im Betrieb. Die Nachfrage nach Papiermachern in der Region ist nicht hoch, das weiß der 46-Jährige. Trotzdem wollen er und 30 weitere Beschäftigte erst einmal das Angebot für die Übernahme in eine Transfergesellschaft annehmen.
Bis zum Jahresende nutzen sie dabei Angebote des Arbeitsamtes, lernen, sich zu bewerben und mit dem Computer umzugehen. 80 Prozent des Gehalts bekommen sie in dieser Zeit. Eine Lösung ist das für die 30- bis 60-Jährigen nicht, aber die Aussicht auf eine Wiederaufnahme des Betriebes in Großschirma gering. Trotzdem zeigte sich Michaela Barthel von der Arbeitsagentur Chemnitz optimistisch: "Die Unterlagen sind da, das heißt, die Arbeitsvermittler halten schon Ausschau. Die Leute sind fit und haben gute Aussichten." Auch eine Zeitarbeitsfirma hat sich am Dienstag bei den "Kurprinz"-Mitarbeitern vorgestellt.
Schon einmal gab es Ende 2009 eine Insolvenz. Nach zwei Monaten hatte die Köhler-Gruppe den Traditionsbetrieb übernommen. 35 von 90 Mitarbeitern blieben übrig. Allerdings war damit das Ende der Bierdeckelherstellung, die 1912 am Standort begann, besiegelt. 80 Prozent der Produktion machte das aus. Nun stellten die Großschirmaer die Pappen für die Bierdeckel her, die am Stammsitz in Weisenbach entstehen. Dazu kamen Einlagen für Paletten, Torten und Käseverpackungen. Der Plan, Material für Trittschalldämmungen herzustellen, erfüllte sich nicht.
Bis Juni lief die Produktion
1300 Tonnen Pappe-Lieferung in die USA wurden storniert. Bis zu dreieinhalb Monate Arbeit hätte das für Großschirma bedeutet. Für Werkleiter Falk Bablich ist das der Hauptgrund für das Ende einer über 100-jährigen Ära im Muldental. Höhere Preise ließen Aufträge für weitere 500 Tonnen Pappe wegbrechen. Dazu komme eine Überproduktion in Weisenbach in Baden-Württemberg nach einer Millioneninvestition
Dabei hatte es noch im April gut ausgesehen, schildert Lutz Göhzold, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender: "Aus befristeten wurden unbefristete Arbeitsverträge." 250.000 Euro sind in den vergangenen Monaten in Reparaturen geflossen. "Bis Juni lief es super", ist Göhzold sprachlos. Nach Gesprächen mit der Konzernleitung ist Falk Bablich aber klar: Würde man in Großschirma weiter auf Aufträge warten, schlittere das Unternehmen bis Jahresende in ein Minus von einer Million Euro. Deshalb bleibt nun die Auslieferung der letzten Pappen, Saubermachen und Abwicklung. Die soll Werkleiter Bablich bis Mitte 2012 begleiten.


