Mineralogen bringen Kripo auf die Spur
Sachverständige aus drei Ländern bilden sich am Freiberger Institut für Mineralogie weiter
Freiberg. Freiberg. Kriminalisten müssen nicht nur Menschenkenntnis besitzen. Auch Gesteine können sie auf die Spur von Tätern führen. Um sich fit zu machen haben deshalb 18 kriminaltechnische Sachverständige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an die Tür der TU Bergakademie Freiberg geklopft. Am Institut für Mineralogie fanden sie die Fachleute, die sie in dieser Woche geschult haben. Das Thema "Bodenuntersuchungen" stand dabei auf dem Stundenplan.
Dass Kenntnisse über Gesteinsproben tatsächlich beim Aufdecken von Straftaten helfen, hat sich in der Praxis schon in einigen Fällen gezeigt. So sorgte Pfingsten 2003 eine Kofferbombe im Dresdner Hauptbahnhof für Aufregung. Die Explosion von insgesamt 1,6 Kilogramm Sprengstoff konnten Spezialkräfte des Bundesgrenzschutzes verhindern. Drei Monate später nahm die Polizei den Täter fest. Den entscheidenden Hinweis brachten Gesteine, die im Koffer gefunden wurden. Sie führten die Kriminalisten auf die Spur des Täters.
"Das Untersuchen von Bodenproben gibt uns bei Straftaten wichtige Hinweise, wo ein Verdächtiger gewesen ist", erklärt Michael Münch, forensischer, also gerichtlicher Sachverständiger am Kriminalwissenschaftlichen und -technischen Institut des Landeskriminalamtes Sachsen. Jährlich landen auf seinem Tisch bis zu 300 Proben, die bei Verbrechen sichergestellt wurden. "Die Fälle, die wir untersuchen, reichen vom Diebstahl bis zum Mord", sagt Münch. Selbst kleinste Spuren von Gesteinen genügen ihm, um Informationen über den Tathergang rekonstruieren zu können. Dabei beschäftigt ihn vor allem die Frage: Was verrät das Gestein darüber, wo der Täter gewesen ist? Im Fall des Kofferbombers von Dresden konnten die Proben vom Tatort einem Steinbruch im Vogtland zugeordnet werden. Dadurch ließ sich die Region eingrenzen, aus der der Bombenbastler kam.


