Da ließen die Kräfte nach beim Freiberger Studenten: Clemens Müller gibt auf - Lars Wolf, der ehemalige Ringer aus Jena, triumphiert.
Da ließen die Kräfte nach beim Freiberger Studenten: Clemens Müller gibt auf - Lars Wolf, der ehemalige Ringer aus Jena, triumphiert.

Foto: Oliver Hach

Pannen-Show macht Freiberg lächerlich

Mäßig originelle Spiele, peinliche Fehler und seichter Klamauk bei MDR-Show "Zeit ist Geld" in der Bergstadt

Freiberg. Samstagabend, kurz vor acht: Dauerregen hat die Freiberger Innenstadt in eine Art Schlafzustand versetzt. Wer jetzt nicht gerade im Urlaub ist, der geht auch nicht vor die Tür. Nur ein paar Scheinwerfer erhellen an mehreren Stellen zwischen Buttermarkt, Burgstraße und Schloss Freudenstein die Szenerie. Auf dem Untermarkt, wo der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) eine große Bühne und viel Übertragungstechnik aufgebaut hat, laufen Fernsehtechniker in weißen Regenponchos aufgeregt hin und her. Und Moderatorin Motsi Mabuse in Highheels und gelber Regenjacke stöhnt: "Das ist der deutsche Sommer."

"Zeit ist Geld" heißt die Sommershow, mit der der MDR in diesen Wochen durch die mitteldeutschen Lande tourt. Erst Quedlinburg, jetzt Freiberg und kommenden Samstag Gotha. Geld scheint dabei offenbar keine Rolle zu spielen. Schon am Donnerstag waren ganze Heerscharen von Fernsehtechnikern in die Stadt eingefallen, hatten kilometerlang Kabel verlegt und Technik rangekarrt. Samstag, Punkt 20.15 Uhr ist es nun so weit: Freiberg ist live auf Sendung.

Die Moderatoren Jan Hahn und Achim Winter haben die Kandidaten auf dem Buttermarkt aufgestellt. Sie sollen zusammen so schnell wie möglich zehn Spiele meistern, während aus einer elektronischen Sanduhr das Geld rinnt. In blauen T-Shirts, die ein bisschen an Sporttrikots aus längst vergangenen Zeiten erinnern, stehen die Fünf aufgereiht da: Sabrina, Lars, Alexandra, Olaf und "Oma" Anneliese. Wenn das M von MDR auf ihren Ärmeln verdeckt ist, meint man "DDR" zu lesen.

Knut Neumann, Vorsitzender der Historischen Berg- und Hüttenknappschaft, erklärt das Arschleder, dann sollen die Kandidaten über selbige springen. Oma Anneliese (67) darf drüber steigen, die Wettkampfleitung ist großzügig. Genauso spannend geht es weiter: Bälle mit dem Arschleder fangen, die aus dem Fenster des Theaters geworfen werden, Silberklumpen suchen im Grubenhunt, Kuchensorten erraten in der Burgstraße. Das hat Kinderfest-Niveau. Und die Zuschauer am Fernsehschirm dürfen alles in voller Länge mitverfolgen.

Im Schlossgraben nimmt das Schauspiel seinen Lauf. Oma Anneliese weigert sich, eine Strickleiter emporzuklettern. Auch im Sumoringer-Kostüm auf dem Trampolin ist sie überfordert - zum Glück hängen die Zettel, die sie erhaschen soll, niedrig genug. Alexandra scheidet aus, weil sie das von den Hartmannsdorfer Schalmeien vorgetragene "Bummi"-Lied voller Überzeugung als "O du fröhliche" erkennt. Schließlich wird die Sanduhr im Dom doch rechtzeitig gefunden.

Wonach es zum großen Finale kommt. Wer den Fernseher bis jetzt noch nicht abgeschaltet hat, wird mit einer grandiosen Serie an Pleiten, Pech und Pannen belohnt: Auf dem Freiberger Untermarkt setzt der MDR einer bis dahin schon sehr langatmigen Sendung die Krone auf. Wer dachte, dass die Einblendung des Namens "Knut Neumann" beim Interview mit Sohn Lars oder die Bezeichnung "Rathaus" für das Freiberger Theater schon genug Blamage waren, wird eines Besseren belehrt. Es geht noch schlimmer.

Aus dem Publikum darf sich Clemens Müller, ein 23-jähriger Student der TU Bergakademie, mit Kandidat Lars um den Gesamtgewinn von gut 37.000 Euro streiten. Die zwei jungen Herren müssen unter anderem eine unechte Bergziege melken, die gewöhnlich im Hochgebirge zu finden ist. Sei es drum. Noch peinlicher ist, dass jetzt dem hölzernen Vieh beim lustigen Melkspiel das Euter abfällt. Nachdem es unzählige Liter Milch-Imitat verloren hat und über den Holz-Po wieder befüllt wird, kommentiert Moderator Jan Hahn mit Galgenhumor: "Die Bergziege ist inkontinent."

Ihm und seinen beiden Moderatorenkollegen sieht man an, dass sie nur noch weg wollen aus dem verregneten Freiberg, wo sich mittlerweile doch erstaunlich viele Menschen auf den Untermarkt verirrt haben und für ihre Stadt Flagge zeigen. Für die Fernsehzuschauer ist das Ende 22.45 Uhr eine Erlösung. Bleibt die Frage: Muss das sein - von unseren Rundfunkgebühren?

 
erschienen am 31.07.2011 ( Von OLiver Hach und Thomas Reibetanz )
 
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