Zugausfälle und Sperrbänder: Wegen der Schneemassen ist der Bahnsteig 1 in Freiberg gesperrt.
Foto: Rolf Rudolph
Qualitätsinitiative der Bahn beginnt mit Zugausfällen
Deutsche Bahn hat vor dem Winter kapituliert und zahlreiche Züge in der Region gestrichen
Freiberg. Freiberg. Zuerst die gute Nachricht: Die S-Bahnen zwischen Freiberg und Tharandt fahren seit Mittwoch wieder. Die Deutsche Bahn hat sich Züge aus anderen Regionen geborgt und die am Montag verkündeten Streichungen zurückgenommen, die ursprünglich bis 15.Januar gelten sollten. Nun die schlechte Botschaft: Es bleibt bis Sonntag beim Ausfall von Interregiozügen in Freiberg, auch klemmt es weiterhin beim Regionalexpress zwischen Chemnitz und Zwickau.
Die Kapitulation vor dem Winter - laut Bahnangaben stehen nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung, da witterungsbedingt ein erhöhter Wartungsaufwand bestehe - konterkariert die millionenschwere "Kunden- und Qualitätsinitiative", die erst einen Monat alt ist. "Eigentlich ist es ganz einfach: Einsteigen, hinsetzen, losfahren und wohlfühlen", hatte Bahnsprecher Klaus-Dieter Martini vollmundig erklärt.
Pustekuchen. Ernst Mensel stand am Dienstag über eine Stunde auf dem Freiberger Bahnhof, weil sein Zug nach Freital Verspätung hatte. "Die Interregiozüge fallen aus, hieß es am Schalter. Die Bahn ist schlecht auf den Winter vorbereitet", so der 75-jährige Freiberger. Kürzlich sei sein Zug sogar ganz ausgefallen.
Elisabeth Volkmann aus Großschirma nahm das Warten gelassen: "Ich studiere in Dresden und bin zum Glück heute nicht auf Pünktlichkeit angewiesen." Alessia Rezzonico aus der Schweiz dagegen war ungehaltener: "Ich will nach Nürnberg, bin aber nur bis Freiberg gekommen. Über Wien, Brünn und Prag ging es bisher gut", sagte die Studentin.
Unterdessen haben Sachsens Bündnisgrüne die Verkehrsverbände aufgefordert, von der Bahn Schadensersatz zu fordern. Der reihenweise Ausfall von E-Loks kann nach Ansicht der verkehrspolitischen Sprecherin im Landtag, Eva Jähnigen, nicht mit Frost und Schnee begründet werden: "Hier ist offensichtlich seit Jahren nicht genügend in die technische Infrastruktur des Unternehmens investiert worden."
Bahnsprecher Jörg Bönisch weist das zurück. 2007 sei in Dresden eine moderne Werkstatt eröffnet worden, in der die Fahrzeuge laut Vorschrift entsprechend ihrer Fahrleistung gewartet würden. Man sei sich bewusst, "dass die kurzfristigen Fahrplanänderungen kritisch bewertet werden." Derzeit seien die Schäden aber höher; rund um die Uhr werde sehr engagiert an der Abstellung der Mängel gearbeitet.
Unabhängig von den Winterproblemen, die nach Bönischs Ansicht alle Verkehrsträger gleichermaßen haben, werden die Fahrgäste von der Kunden- und Qualitätsinitiative langfristig profitieren. Klagen gegen die Bahn könnten sich die Verkehrsverbände sparen, da sowieso Vertragsstrafen vereinbart seien. Für Reisende gelten gesetzliche Fahrgastrechte. Mehr Informationen dazu unter www.fahrgastrechte.info


