Pflegedienstleiter Gerald Schappke (links) mit Gottfried Erler bei der Zeitungsschau im Schindlerhof.
Foto: Eckardt Mildner
Senioren-WG in Niederbobritzsch als Alternative zum Pflegeheim
Dreiseitenhof beherbergt eigene Zimmer in vertrauter Umgebung
Niederbobritzsch. Was die Jungen können, können die Alten schon lange: leben in einer Wohngemeinschaft. Die WGs sind im Kommen, weiß Gerald Schappke. Er leitet als Freiberufler die Krankenpflege im Schindlerhof, einer Senioren-Wohngemeinschaft in Niederbobritzsch. Die Alternative zum Pflegeheim biete eine familiärere Atmosphäre, sagt er.
Und tatsächlich sind die sieben Zimmer im um 1900 erbauten Dreiseithof fast alle mit Möbeln der sieben Bewohner ausgestattet. Es riecht nicht nach Krankenhaus, wirkt fast etwas altmodisch. Aber das soll so sein, erklärt Schappke. "Die Räume sind komplett leer. Jeder soll und muss seine eigene Einrichtung mitbringen." Nicht nur, dass die alten Leute meist an ihrem Mobiliar hängen, es hilft auch, sich in der neuen Lebenssituation gut zurechtzufinden. "Gerade bei Demenzkranken ist das wichtig", weiß der Pflegedienstleiter.
Von 50 bis 88 Jahre alt sind die Schindlerhof-Bewohner. Die meisten wollten in kein Pflegeheim in der Stadt, ziehen auch im Alter die ländliche Umgebung vor. Dazu gehört Hartmut Clausnitzer. Der 76-Jährige musste vor einem halben Jahr den Hof in Naundorf verlassen. "Ich möchte hierbleiben", sagt er ohne große Umschweife. Und auch Christoph Welz aus Reinsberg hat sich nach anderthalb Jahren in Niederbobritzsch eingelebt. "Ich war erst in einem anderen Pflegeheim. Nee, dort will ich nicht mehr hin. Die Pfleger hier sind nett, zu denen kann man kommen, wann man will", erklärt der 61-Jährige.
Die Rundumbetreuung ist laut Schappke im Haus gewährleistet, sodass auch Schwerstpflegefälle aufgenommen werden können. Vier Fachkräfte und zwei Pflegehilfskräfte kümmern sich um die Bewohner. Meist kennen sie ihre Patienten schon, da sie diese bereits in der ambulanten Pflege zu Hause betreut haben.
Ansonsten unterscheidet sich die Senioren-WG kaum von einer Studenten-WG. Jeder hat seinen eigenen Bereich, der angemietet ist. Es gibt eine gemeinsame Küche, einen Aufenthaltsraum, mehrere Bäder. Anders als bei den Studenten werden die Senioren allerdings bekocht, müssen das nicht selber tun - es sei denn, sie wollen es gern. "Die Leute sind selbstbestimmt. Es gibt keine Vorschriften", erklärt Schappke. Gemeinsame Spaziergänge, Ausfahrten oder im Sommer Grillabende würden das Gemeinschaftsgefühl stärken.
Derzeit sind alle Zimmer im Schindlerhof belegt. Doch künftig soll noch ein ehemaliger Stall ausgebaut werden. Dort entstehen laut Schappke drei Zimmer, ein großer Aufenthaltsraum sowie Bad und WC. Und auch im bereits bewohnten Gebäude soll in Zukunft noch ein Treppenlift für mehr Komfort in der Senioren-WG sorgen.


