Ein Brand in der 20-Kilovolt-Station der Envia M an der Frauensteiner Straße war die Ursache für den Stromausfall.

Foto: Rolf Rudolph

Stromausfall legt Leben in Freiberg lahm

Brand in einem Freiberger Umspannwerk: Bis zu 22.000 Kunden zeitweise ohne Strom

Freiberg. Ein Brand im Umspannwerk der Envia Verteilnetz GmbH an der Frauensteiner Straße in Freiberg hat am Dienstag die Stromversorgung in der Kreisstadt sowie in Halsbach, Hilbersdorf und Zug lahm gelegt. In den Morgenstunden waren im Netzgebiet der Freiberger Stadtwerke zeitweise bis zu 22.000 Kunden von der Energieversorgung getrennt. Geschäfte mussten geschlossen bleiben, Betriebe schickten ihre Mitarbeiter nach Hause, Telefonanlagen und zahlreiche Ampelanlagen fielen aus.

Zu schaffen machte die Situation dem Freiberger Kreiskrankenhaus. Zwei parallel laufende Notstrom- aggregate sicherten die Operationen und andere lebensnotwendige Bereiche ab. Probleme gab es aber in der Radiologie und bei der Versorgung von Sterilgut. Dort kam es zu längeren Ausfällen, wie Michael Hoge, Referent der Geschäftsführung, mitteilte.

Geprüft wurde, ob ein weiteres, aus Leipzig geholtes Notstromaggregat dafür eingesetzt werden kann. Notärzte mit Patienten mussten in umliegende Krankenhäuser, unter anderem nach Meißen, fahren. Zudem bekamen die 303 Patienten auf den verschiedenen Stationen am Dienstag nur Kaltverpflegung.

"Die Ursache für den Brand, der gegen 8 Uhr ausbrach, ist noch unklar", teilte Stefan Buscher, Pressesprecher der Envia M mit. Morgen soll es dazu ein Gutachten geben. 14 Einsatzkräfte von Wache und Ortsfeuerwehr Freiberg waren zwischen 8 und 12 Uhr im Einsatz. Der Brand sei bis dahin zwar unter Kontrolle gewesen, aber austretende Rauchgase wurden weiter gemessen, um niemanden zu gefährden, so Wehrleiter Steffen Schneider. Damit konnte erst gegen 14 Uhr unter entsprechender Schutzausrüstung mit den Reparaturarbeiten begonnen werden.

Die Schaltanlage war laut Envia-Einsatzleiter Ralf Berger so stark beschädigt, dass sie nicht wieder in Betrieb genommen werden kann. Neue Teile mussten besorgt werden. Kritisch sei es zeitweise noch an einem Silizium-Schmelzofen der Deutschen Solar AG gewesen. "Hier drohte die Kühlung auszufallen und der Ofen zu explodieren, so dass noch einmal 80 Einsatzkräfte mit Unterstützung der Wehren aus Brand-Erbisdorf, Zug, Halsbrücke und Hilbersdorf etwa drei Stunden lang in Bereitschaft waren", zählte Schneider auf.

Durch die Umschaltung der Stromversorgung auf die Umspannwerke Freiberg West und Clausnitz floss bei einem Großteil der Kunden im Laufe des Vormittags wieder der Strom durch die Leitungen. Allerdings warteten am Abend noch immer 4700 Betroffene vergeblich darauf, dass das Licht anging. "Für jene Kunden haben wir 16 Notstromaggregate bereit gestellt, die aus dem gesamten Netzgebiet angefordert wurden", so Buscher. Die Envia wird dabei durch das Technische Hilfswerk unterstützt. Der Freiberger Stadtwerkechef Axel Schneegans rechnete damit, dass bis etwa 21Uhr alle Kunden wieder am Netz angeschlossen seien. Lediglich bei der Deutschen Solar AG würde die Wiederinbetriebnahme länger dauern.

Auch bei der Freiberger Compound Materials GmbH (FCM) hat es Produktionsausfälle gegeben. Diese hielten sich jedoch in Grenzen, hieß es aus der Geschäftsleitung. Das Unternehmen habe für solche Fälle vorgesorgt: Gemeinsam mit der Siltronic AG hat es eine 110-KV-Extraleitung angelegt. Für Notfälle wie am Dienstag kann diese angezapft werden.

Im Lehr- und Besucherbergwerk Reiche Zeche mussten die Gäste wieder gehen, weil eine Einfahrt nicht möglich war. "Glücklicherweise waren auch unsere Mitarbeiter noch nicht untertage, so dass keine Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden mussten", zeigte sich der Touristische Leiter Markus Link erleichtert. Als feststand, dass bis zum Abend mit Stromausfall zu rechnen ist, habe er etwa 20 Leute, die Ausbau- und Instandsetzungsarbeiten in der Tiefe geplant hatten, nach Hause geschickt.

 
erschienen am 06.05.2008 ( Von Kerstin Blossey und Gabriele Fleischer )
 
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