Felix Schilk (l.) und Tim Zeidler blättern im vegetarischen Kochbuch nach Rezepten für die Vokü.
Foto: Eckardt Mildner
Verein haucht ehemaliger Poliklinik Leben ein
Gespenstische Leere in der ehemaligen Poliklinik am Roten Weg in Freiberg vorüber
Freiberg. Freiberg. Jeden Dienstagabend wird am Roten Weg 43 in Freiberg gekocht, in der Vegetarischen Volksküche - "aber bitte mit X in der Mitte", klärt Tim Zeidler vom Vorstand des Vereins "Roter Weg" auf. Voküs oder Volxküchen sind Orte, an denen warme Mahlzeiten für wenig oder gar kein Geld angeboten werden. Angesiedelt sind sie meist bei alternativen Projekten. "Im Schnitt kommen bei uns 15 Leute", sagt Tim Zeidler und sieht das Angebot gleichzeitig als gute Gelegenheit, Leute zu erreichen.
Denn das will der Verein, der sich 2009 gegründet hat. Und so kochen seine 18 Mitglieder um Vereinschef Thomas Mittelstädt, der die ehemalige Poliklinik erworben hat, nicht ihr eigenes Süppchen. Sie öffnen ab sofort regelmäßig die Türen für Besucher. "Alle, die sich kritisch mit politischen Themen und dem Alltag in Freiberg auseinandersetzen, sind willkommen, ausgenommen Rechtsgesinnte", sagt Zeidler. Studenten sind ebenso gern gesehen wie Senioren.
Neben der Vokü gibt es drei weitere feste Termine: ein Vereinsplenum, bei dem Ideen für künftige Projekte diskutiert werden, einen Brunch, zu dem jeder mitbringt, was er gern isst sowie ein Antifa-Themen-Café mit Vorträgen, Filmen und Diskussionen rund um das Thema Antifaschismus. Pläne haben die Vereinsmitglieder noch viele. "Wir wollen eine Bücherecke einrichten, ebenso ein Internetcafé, eine kostenlose Sozial- und Rechtsberatung anbieten, regelmäßig Vorträge, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen auf die Beine stellen", zählt Tim Zeidler auf. Henry Heinze, Kreissekretär der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), ist eifrig dabei, in einem der Räume ein Archiv mit antifaschistischen sowie linken Zeitungen und Filmen einzurichten. "Wir werden Fahrten in ehemalige Konzentrationslager organisieren und Lehrerfortbildungen zu dem Thema anbieten", zählt Heinze auf.
"Ich suche einen Treffpunkt mit einem politischen Mindeststandard, an dem sich niemand ausgegrenzt fühlt. Den finde ich hier. In anderen Jugendeinrichtungen ist das nicht so", erklärt Christian Walter. Maxim Reibetanz aus Görlitz, der an der TU Bergakademie studiert, sieht das ähnlich: "Hier hat man Gelegenheit, Freunde zu treffen, neue Leute kennen zu lernen, man kann kochen, Filme schauen, Musik hören und sich gleichzeitig über politische Themen austauschen." Student Felix Schilk hofft, dass sich weitere Mitstreiter finden, "die mit uns auf einer Wellenlänge sind."
Service
Geöffnet ist Dienstag, 16 bis 22 Uhr, Donnerstag, 12 bis 21 Uhr


