Elitäre Schere: Beim Riesenslalom in Holzhau wurden die Telemark-Sachsenmeister ermittelt.
Foto: Oliver Hach
Wedeln wie die alten Norweger
Bei den Holzhauer Telemark-Tagen lebte ein traditioneller Skistil wieder auf
Holzhau. Holzhau. Samstagnachmittag auf dem Skihang in Holzhau: Die 17-jährige Tanja Seidel schwebt als erste Rennläuferin durch den Stangenwald zu Tale. Elegant kniet sie auf dem bergseitigen Ski, den Talski schiebt sie nach vorne. Und der Laie am Rand des Stangenwaldes fragt sich: Gibt's da Haltungsnoten?
Es war 1888 in der südnorwegischen Provinz Telemark, als Sondre Norheim seinen selbst entwickelten Fahrstil offiziell zur Wettkampftechnik erhob - für Bergabfahrten und im Skisprung. "Das Telemarken war damals die sicherste Methode, den Berg runterzukommen", sagt Rainer Jäpel, Sektionsleiter der Abteilung Ski bei der Sportgemeinschaft Holzhau. Der 37-Jährige arbeitet bei Globetrotter in Dresden. Gemeinsam mit dem Outdoor-Ausrüster stellte die SG Holzhau am Wochenende zum siebten Mal Telemark-Tage auf die Beine. Rund 50 Aktive gingen bei der 3. Offenen Sachsenmeisterschaft im Telemark beim Riesenslalom an den Start, Telemark-Skikurse waren gut besucht und die Spezial-Ausrüstung beim Ski-Verleih meistens ausgebucht.
Gut 120 Jahre nach Sondre Norheim ist die Technik fürs Telemarken auf dem neuesten Stand: Die Skiindustrie hat speziell geschnittene Ski entwickelt, die Seilzugbindung sieht auch nicht mehr aus wie die auf Opas Holzbrettern und selbst die Abfahrtsstiefel sind ein Modell für sich: Eine Knickfalte quer über dem Fußrücken sorgt für die nötige Flexibilität beim Anheben der Ferse.
Telemarken ist anstrengend; das ständige in die Knie gehen stellt höhere Anforderungen an die Athletik. Gerade das fasziniert Rainer Jäpel. "Diese Art Ski zu laufen macht unsere kleinen Berge im Erzgebirge ein bisschen größer", sagt der Holzhauer Lokalmatador, der sich im Riesenslalom bei den Herren nur knapp dem Sieger Michael Schubert geschlagen geben musste. Der 29-Jährige Annaberger liebt den engen Kontakt zum Schnee; seit fünf Jahren ist er nur noch als Telemarker auf der Skipiste unterwegs. "Es ist wie eine Sucht", sagt er.
Astrid Sturm aus Rugiswalde in der Sächsischen Schweiz, die schnellste Frau im Riesenslalom vom Samstag, meint: "Telemarken sieht unglaublich ästhetisch aus." Sie sieht die Telemarker-Gemeinde bereits wachsen: "Dieses Jahr waren viel mehr Leute in den Kursen. Und es ist schön, bei den Fortgeschrittenen bekannte Gesichter zu sehen."
Im Vergleich zu Ski alpin und Snowboard werden die nordischen Abfahrtsläufer mit ihrem Scherenstil aber wohl immer eine kleine, etwas elitäre Minderheit bleiben. "Aber auf angenehme Weise elitär", meint Astrid Sturm und fügt hinzu: "Telemarker sind schon ein sehr offenes, ein besonderes Völkchen."
Statistik: 3. Telemark-Sachsenmeisterschaft
Herren: 1. Michael Schubert (SC Annaberg) 1:15,75 min, 2. Rainer Jäpel (SG Holzhau) 1:16,07 min, 3. Benjamin Lachmann (SG Holzhau) 1:17,83 min.
Damen: 1. Astrid Sturm (SC Rugiswalde) 1:21,77 min, 2. Carolin Grabner (ASC Oberwiesenthal) 1:35,83 min, 3. Iris Seidel 1:41,19.
Masters: 1. Michael Schwarz (SG Holzhau) 1:25,38 min, 2. Mike Arnold (ATSV Gebirge/Gelobtland) 1:29,31 min, 3. Uwe Lachmann (SG Holzhau) 1:29,99 min.


