Zuchtbrüterei in Hilbersdorf lüftet ihr Geheimnis
Aviagen GmbH achtet auf Einhaltung von strengen Hygienevorschriften - Asiatische Fachkräfte sortieren Küken per Hand
Hilbersdorf. Die europaweit größte Zuchtbrüterei der Aviagen GmbH im Freiberg Gewerbegebiet Ost hat ihr Geheimnis gelüftet. Am Mittwoch durfte erstmals eine Vertreterin der "Freien Presse" die Anlage betreten. Geheimnisvoll geht es darin nicht zu, dafür aber streng hygienisch entsprechend dem Lebensmittel- und Krankenhausstandard.
"Wir haben nichts zu verbergen", erklärt Georg von Bitter, Generalbevollmächtigter der Aviagen GmbH. Aber nicht nur was innerhalb der EU verschickt wird, unterliege strengen Bestimmungen. Außenbereich und Produktionsstätte sind deshalb durch Schleusen inklusive Dusche und komplettem Kleiderwechsel streng voneinander getrennt. Die Mitarbeiter müssen einmal im Monat eine Stuhlprobe abgeben. "Damit wollen wir das Risiko, dass Salmonellen oder andere Erreger eingeschleppt werden, ausschließen", so Bitter.
Die extreme Reinlichkeit zieht sich durch die gesamte Anlage, in der derzeit die ersten Eier im so genannten Vorbrüter sind. Diese Eier, aus denen die Eltern der künftigen Broiler schlüpfen sollen, stammen laut Bitter aus Farmen in der Nähe von Cuxhaven, aus den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Schottland und den USA. Die 56 Vorbrüter bieten den sich entwickelnden Embryonen Bedingen, wie es die beste Glucke nicht kann: Konstant 37 Grad Celsius und permanente Bewegung, damit die Küken nicht anhaften.
"Die Anlage eines führenden belgischen Unternehmens ist der neueste Maschinentyp mit der modernsten Bruttechnik", betont Bitter. Nach 18 Tagen trennt sich die Spreu vom Weizen: Die unbefruchteten Eier werden aussortiert. Auch das passiert vollautomatisch. "Wir haben eine durchschnittliche Schlupfrate von 75 bis 80 Prozent", berichtet Betriebsleiter Kai Kloppenborg.
Noch drei Tage sind die Eier im Schlupfbrüter, ehe sich die fertigen Küken ans Licht der Welt picken. Jetzt kommt erstmals der Mensch ins Spiel, denn "die Küken brauchen viel Handarbeit", so Bitter. Er setzt bei den künftigen Zuchttieren auf ordnungsgemäße Behandlung. "Sonst würden wir unser wirtschaftliches Ziel nicht erfüllen, wir können nur gesunde Tiere verkaufen."
Bei der Sortierung nach Geschlecht haben scheinbar die Asiaten das richtige Händchen. 20 Fachkräfte aus Japan und Korea übernehmen diese Aufgabe, für die sie extra geschult sind. Ob es Männlein oder Weiblein ist, erkennen sie aus der Kloake. Die Trennung sei notwendig, da für die Zucht bestimmter Linien nur männliche oder nur weibliche Tiere gebraucht werden. Der Rest, die Beiprodukte, werden als Broilertiere an Mastanlagen verkauft.
Nach der Impfung gegen die wichtigsten Geflügelkrankheiten zählt und "verpackt" eine Maschine die Küken. 80 Stück kommen in eine Kiste. Spezialtransporter bringen die Zuchttiere nach Osteuropa, wobei auch die Baikalregion, Teile von Griechenland, Nordafrika und der vordere arabische Raum beliefert werden. Die Mastküken bleiben in Deutschland. Aber auch die Niederlande und Belgien sind Abnehmer. Aus 45 Millionen Eiern schlüpfen jährlich etwa 32 Millionen Küken. Dass das nichts mit Bauernhofidylle zu tun hat, ist auch Bitter klar. "Ich respektiere andere Ideologien, kann sie aber nicht kommentieren", spielt Bitter auf die Tierrechtler an.
Die Vorwürfe der geplanten Massentiervernichtung möchte er allerdings entkräften. "Nur weil wir aus hygienischen Gründen den Betrieb nicht öffnen können, bewegen wir uns nicht in einem rechtsleeren Raum. Wir stehen unter ständiger Kontrolle des Veterinäramtes. Der Tierschutz wird hier umgesetzt."
Stichwort
Die Aviagen GmbH ist ein Tochterunternehmen der amerikanischen Aviagen International Group. Aviagen unterhält in Europa sieben Zuchtbrütereien. In Hilbersdorf investierte das Unternehmen über 12 Millionen Euro. Künftig sollen hier etwa 45 Leute arbeiten.


