Freiberger Glasschaum fängt Sonnenwärme ein
TU Bergakademie forscht an neuer Generation von Sonnenkollektoren
Freiberg. Für Marc Lüpfert ist die Zukunft der Solarthermie aus Glas. "Die Flachkollektoren, die heute auf vielen Hausdächern zum Einsatz kommen, sind noch zu teuer. Deswegen brauchen wir völlig neue Konzepte, wie wir mit Sonnenenergie unsere Haushalte mit Wärme versorgen können", erklärt der 24-jährige Wissenschaftler der TU Bergakademie. Für den Mitarbeiter am Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik liegt die Lösung in einem sehr leichten, porösen Material, das sich wie Bimsstein anfühlt. "Das ist ein Schaumglas, das aus Rest- und Recyclingstoffen hergestellt werden kann", erläutert er. Dieses Glas soll künftig in sogenannten Glaskollektoren zum Einsatz kommen. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Flachkollektoren: Das Schaumglas übernimmt mehrere Funktionen, für die bisher unterschiedliche Bauteile notwendig waren. Es kann nicht nur die Wärme der Sonne aufnehmen, gleichzeitig dämmt es auch den Kollektor und sorgt für Stabilität. Damit lassen sich nach Schätzungen des Instituts die Kosten für Kollektoren mindestens halbieren.
"Neben der Wirtschaftlichkeit hat der Glasschaum den Charme, dass er einfach zu recyceln ist", zeigt sich Antje Hermenau bei ihrem Besuch überzeugt. Auf ihrer Sommertour informiert sich die Fraktionschefin Bündnis 90/Grüne im sächsischen Landtag über innovative Energiekonzepte. An der TU Freiberg erfuhr die Politikerin aber auch, wie schwierig die Umsetzung neuer Ideen in die Praxis ist. "Es gibt keine privaten Investoren für die Umsetzung innovativer Produkte", fasst Heiko Hessenkemper seine Erfahrungen zusammen. "Die Industrie denkt nicht in langfristigen Perspektiven, sondern nur an kurzfristigen wirtschaftlichen Nutzen", sagt der Professor. Der Mittelstand sei hier mutiger, es fehlten jedoch die Mittel für größere Investitionen. "Wir brauchen rund 20 Millionen Euro, wenn eine Pilotanlage für die neuen Glaskollektoren entstehen soll", stellt er fest. Für Antje Hermenau ist auch die Politik in der Pflicht. "Wir brauchen eine Wirtschaftsförderung, deren zentrales Thema die Energieforschung ist. Nur so kann die Energiewende wirklich gelingen", fordert sie. Doch ganz allein will sie die Freiberger mit den Finanzierungssorgen nicht lassen. Beim Abschied versprach sie, für Investitionen in das Projekt zu werben.


