Im Kreis Mittelsachsen wackeln Berufsschulen

Die Anzahl der Lehrlinge an den Bildungsstätten ist seit 2008 um mehr als ein Drittel gesunken

Freiberg/Dresden. Die Berufsschulzentren (BSZ) in Mittelsachsen entpuppen sich als Großbaustelle: Die Schülerzahlen reichen für den Fortbestand aller sieben Schulstandorte nicht mehr. Dennoch scheut sich die Kreisverwaltung als Träger der Bildungseinrichtungen offenbar, nötige Fusionen anzugehen und Außenstellen zu schließen. Im Dezember soll den Kreisräten ein Standortkonzept für die Berufsschulen vorgelegt werden. Mit Details zu diesem Papier hält sich die Verwaltungsspitze noch zurück. "Die Situation ist hart", gibt Vize-Landrat Manfred Graetz (CDU) zu.

Mehrere Varianten denkbar

Laut "Freie Presse"-Infos diskutieren die Entscheider hinter den Kulissen mehrere Varianten. Eine sieht den BSZ-Standort Mittweida und die Freiberger Außenstelle in Flöha mit dem beruflichen Gymnasium wackeln. Denkbar ist jedoch auch, dass die Schulen in der Freiberger Turnerstraße und Am Schachtweg fusionieren und das Haus in Mittweida überlebt. "Dazu können wir noch keine abschließenden Aussagen treffen", entgegnet Graetz.

Die betroffenen Schulleiter kritisieren die Hinhaltetaktik der Verwaltung. Frank Wehrmeister vom BSZ "Julius Weisbach" in Freiberg: "Ich wünsche mir eine offene Diskussion. Es gibt keine Gründe, das Thema geheim zu halten."

Bernd Schab, designierter Chef des BSZ in der Freiberger Turnerstraße, sieht eine Fusion der zwei Stätten in der Kreisstadt kritisch. "Das neue Haus hätte über 2000 Schüler. Das wäre überdimensioniert." Wehrmeister ergänzt: "Dieser Schritt ist überhaupt nur denkbar, wenn das Bildungsangebot an der Turnerstraße durch weitere Verlagerungen an andere Berufsschulzentren abgespeckt wird." Hinzu komme, dass das berufliche Gymnasium am Standort Flöha problemlos Klassen bilden könne.

Kultus stellt Rochlitz infrage

Für die Freiberg Fusion spricht, dass die aktuelle Schulleiterin aus der Turnerstraße, Brunhilde Geidel, in den Ruhestand geht. "Das kann der Abgesang für die Schule sein", sagt ein Insider. Außerdem ist es laut Schab ungewiss, ob es bei den Friseuren und Bäckern neue Klassen gibt. Auch die Rochlitzer Pädagogen zittern weiter. Der Kreis will zwar am dortigen Neubau festhalten. Aber laut Kultusministerium gibt es für die Schule keinen öffentlichen Bedarf. "Viele der Bildungsgänge könnten in Freiberg oder Döbeln aufgenommen werden", sagt Sprecherin Susann Mende. Die Schule in Döbeln scheint gesichert. Das Objekt in Burgstädt ist aus strategischen Gründen wichtig. Würde es schließen, verlöre der Kreis Schüler nach Chemnitz.

 
erschienen am 20.06.2012 ( Von Andy Scharf )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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