Köhler René Meyer (links) empfing trotz eisiger Temperaturen eine Besuchergruppe in der Rachelköhlerei in Clausnitz. Anhand eines kleinen Meilers zeigte er den Gästen die Herstellung von Holzkohle.
Foto: Detlev Müller
Kaum Winterruhe in der Köhlerei
Erzgebirger hat sich altem Handwerk verschrieben
Clausnitz. Die klirrende Kälte derzeit hält René Meyer nur selten von seiner Rachelköhlerei am Ortsrand von Clausnitz fern. Selbst, wenn das Gelände durch Schnee und Verwehungen von der Außenwelt abgeschnitten ist, schnallt sich der 38-Jährige die Skier an, um beispielsweise nach seinem Meiler zu sehen. Denn René Meyer hat sich einer alten Erzgebirgstradition verschrieben - der Holzköhlerei. Schon seit einigen Jahren befasst er sich mit der Idee, Besuchern zu zeigen, wie einst im oberen Erzgebirge Holz geflößt und wie auf traditionelle Weise Holzkohle bereitet wurde. Zum Clausnitzer Heimatfest im Jahr 2010 verwirklichte er seine Gedanken erstmals und ließ die Holzflößerei wieder lebendig werden. "Wir wollten etwas Besonderes einbringen", denkt er an die Festwoche zurück. Die Zuschauer zeigten sich von dem alten Handwerk begeistert.
Schon damals reifte der Gedanke der Rachelköhlerei. Inzwischen hat sich René Meyer diese aufgebaut und bietet Programme zu verschiedenen Themen an. Eigens für eine Gruppe von Besuchern aus Freiberg hat der Clausnitzer vor wenigen Tagen einen Meiler angeschürt, obwohl eigentlich derzeit Winterruhe ist, denn die Saison für die Holzköhlerei läuft zwischen April und Oktober.
"Bei mir können Besucher etwas über traditionelle Waldwirtschaft und die Köhlerei erfahren", erzählt René Meyer. Er selbst ist dafür bei einem Köhler im bayerischen Wald für einige Wochen sozusagen in die Lehre gegangen. "Er hat aufgehört und mich deshalb in seine Geheimnisse eingeweiht", ist der Erzgebirger froh. Denn als Alleinvertreter dieses Handwerks in der Region eignete er sich seine ersten Erfahrungen dazu übers Internet und durch Probieren an, bis er jene professionelle Anleitung bekam.
Inzwischen weiß der Clausnitzer, dass weit mehr dazu gehört als zu wissen, dass ein Meiler sieben Tage schwelen muss. In einer etwa einstündigen Führung erklärt er inzwischen seinen Besuchern, wie der mit Buchenholz, Stroh und Erde bestückte Meiler aufgebaut ist, wie Zuglöcher einzubringen sind und die Farben des Rauches verraten, wann die Holzkohle verwendbar ist. Auch den Verkohlungsvorgang und die Verwendung von Holzkohle erläutert er.
Das Buchenholz, meist Abfallholz, für seine Tätigkeit erhält René Meyer aus dem Erzgebirgswald des Sachsenforsts sowie von privaten Waldbesitzern. "Es ist kein minderwertiges Holz, aber von der Industrie nicht verwendbar", erläutert er. Maximal 20 Tonnen Holzkohle stellt er im Jahr her, je nachdem wie es der Bedarf verlangt.
Zu seinen Erlebnisprogrammen in der Rachelköhlerei ab April gehören neben Führungen zu den Themen Waldwirtschaft und Köhlerei auch das Dachrinnenhacken und Röhrenbohren. Schon jetzt kündigt René Meyer an: "Zu Himmelfahrt und Pfingsten wird es die Meilerwochen geben."


