Im Regen begann gestern für Schwimmmeister Kevin Kempe und sechs "Frühschwimmer" der Tag im Mittweidaer Freibad. Am Nachmittag waren auch wieder fünf Leute zugleich im großen Becken.
Foto: Falk Bernhardt
Der Juli ist wärmer und so nass wie 2011
Die goldigen Aussichten verspricht ein Hobbymeteorologe erst für den Herbst
Hainichen/Grünlichtenberg/Mittweida. Bange Blicke zum Himmel und die Frage: Fällt das Hainichener Parkfest am Wochenende buchstäblich ins Wasser? Die Mitarbeiter des Bauhofes stehen schon Gewehr bei Fuß, versichert Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD). Zelte und die Halle der Agrargenossenschaft bieten Schutz vor Regengüssen, und aufgeweichte Wege im Park werden mit Mulch abgedeckt. "Aber vielleicht haben wir ja Glück mit dem Wetter", sagt das Stadtoberhaupt.
Sommer bleibt durchwachsen
Diese Hoffnung möchte Stefan Liebscher nicht zerstören. Und dennoch, so sagt der Hobbymeteorologe aus Böhrigen: "Dieser Sommer bleibt durchwachsen. Es gibt ein ständiges Auf und Ab der Temperaturen." Und immer wieder Regen. Seit 36 Jahren beobachtet er das Wetter in der Region - akribisch genau wird alles dokumentiert und, wen sollte es wundern, meist trifft er mit seiner Vorhersage ins Schwarze. Seine Aufzeichnungen zum Wetter im Juli dürften verblüffen. Denn die erste Hälfte war wärmer als der Juli 2011 - um ganze 0,3 Grad Celsius. Aber, es fehlt die Sonne, und so fühlen die Menschen das Wetter anders. Gleiches trifft auf die Menge des Niederschlags zu. Bis Julimitte fielen 181,5Liter pro Quadratmeter, im ganzen Juli 2011 waren es 290,4. Der Wert dürfte nicht überschritten werden. Im Juli 2004 waren es 188Liter, 1993 147,5 Liter, 1990 allerdings nur 4,4 Liter. Entwarnung kann Liebscher in einer Sache geben: Hochwasser wie 2002 ist nicht zu befürchten. Der Wind kommt aus dem Westen, 2002 zogen die Wolken vom Mittelmeer heran und konnten sich vollsaugen. Was diesen Sommer in der Region aber zur Ausnahme macht, sind die extremen Temperaturschwankungen zwischen warm und kalt. Elf, zwölf Grad des Nachts seien viel zu niedrig für die Jahreszeit. Diese Temperaturschwankungen seien auch verantwortlich für die Gewitter. Liebscher macht all jenen Hoffnung, die im Oktober Urlaub haben: "Es wird bis Mitte November ein goldener Herbst." Aber dies will wohl jetzt noch gar niemand wissen. So beginnen die Landwirte zu barmen, ob der vielen Nässe auf den Feldern.
Landwirte in Sorge
Artur Walda, Chef der Agrargenossenschaft Grünlichtenberg, konnte das schon gestern. Nach einem Regenguss war gerade die Sonne herausgekommen. "Wir haben große Sorgen mit der Wintergerste. Der Wechsel zwischen Sonne und Regen lässt sie zwar gut wachsen, doch die Ähren brechen in Größenordnungen ab", sagte er. Diese könnten nicht geerntet werden, und die Verluste steigen an. Der Weizen hingegen stehe gut. Ein Ansteigen der Brötchenpreise vermutet er nicht, da die kaum mit Gerste gebacken werden. Doch das Getreide ist nicht die einzige Sorge der Grünlichtenberger, die sich als Kartoffelanbauer etabliert haben. Walda: "Die Erdfrüchte sind mit Kraut- und Kartoffelfäule behaftet, da der starke Regen die gegen die Fäule aufgebrachten Spritzmittel abgewaschen hat." Walda hofft, dass sich der Sommer bald einstellt und sich die Ernteverluste in Grenzen halten.
Mehr Besucher wünscht sich Schwimmmeister Kevin Kempe im Freibad Mittweida, das täglich geöffnet und treue Besucher hat. Rekordtag war der 1. Mai mit gut 1000 Gästen, ähnlich gute Werte sind nun ein Traum. Dabei liegt die Wassertemperatur noch bei 20 Grad.

