Ungewöhnlich viele Lastwagen durchqueren derzeit den Hainichener Ortsteil Riechberg. Dabei geht es sehr eng zu. Grund dafür ist Vollsperrung der B 101 bei Siebenlehn.
Foto: Falk Bernhardt
Im Schritt-Tempo durch Riechberg
Lastwagen belasten marode S 205 - Anlieger genervt
Hainichen. Hainichen. An der B 101 zwischen Großschirma und Siebenlehn wird gebaut - und die Hainichener leiden unter den Auswirkungen: Vor allem Lastwagen zwängen sich von der Abfahrt der Autobahn 4 in Hainichen durch die Stadt. Die Sattelzug-Kolonne quält sich durch Cunnersdorf und Riechberg über die teilweise marode S 205 in Richtung Freiberg und umgekehrt. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens geht es oft nur im Schritt-Tempo voran. Folge: Die Nerven der Kraftfahrer werden strapaziert. Begegnen sich zum Beispiel nach der Kurve am Berg in Riechberg zwei Brummis, dreht sich kein Rad mehr. Weil beide nicht aneinander vorbeikommen, muss ein Fahrer zunächst den Rückwärtsgang einlegen.
Doch auch die Anwohner sind im wahrsten Sinne des Wortes um den Schlaf gebracht. "Das ist extrem und belastend", bringt es Arndt Berger, Ortsvorsteher in Riechberg und Stadtrat in Hainichen, auf den Punkt. Er hat eine interne Verkehrszählung veranlasst. In insgesamt elf Stunden an drei Tagen, zu unterschiedlichen Zeiten, sind durch den Ort in Richtung Freiberg 172 Lastwagen, in Richtung Hainichen 131Brummis gerollt. Dazu kamen insgesamt 1681 andere Fahrzeuge.
Arndt Berger versteht nicht, dass offenbar an Schreibtischen Entscheidungen getroffen werden, ohne die Lage vor Ort zu kennen. "Die total ausgefahrene Straße zwischen Cunnersdorf und Riechberg hätte längst ausgebaut werden müssen", sagt er, und er mahnt das nicht zum ersten Mal an. Eine weiträumigere Umleitung etwa von Hainichen über die S 201 in Richtung Oederan hätte ausgewiesen werden müssen.
Bernhard Wiedmaier, stellvertretender Leiter des Straßenbauamtes Chemnitz, kann keine Entwarnung geben. Zu der Umleitung von der Autobahn über die S 205 nach Freiberg gebe es kaum eine Alternative, die nicht auch problematisch wäre. "Die Staatsstraße muss den Verkehr aushalten", sagt Wiedmaier und kann dem Ganzen offenbar auch einen gewissen Vorteil abgewinnen: "Vielleicht besteht dann endlich Sanierungsbedarf ..."
Klar sei, dass die S 205 in vorangegangenen Jahren nur geringe Bedeutung hatte. Zu wenige Fahrzeuge rollten von Hainichen nach Freiberg. Dies habe sich aber möglicherweise nun mit der vor zwei Jahren vollzogenen Kreisreform geändert, vermutet auch Bernhard Wiedmaier. Das Landratsamt Mittelsachsen hatte die TU Dresden und ein privates Institut 2009 beauftragt, diesbezüglich eine Studie zu erarbeiten. "Diese liegt nunmehr vor", bestätigt Behördensprecher André Kaiser. Das Konzept hat zwei Schwerpunkte: Zum einen die Ermittlung des Zustandes der Kreisstraßen mit Aufstellung einer Prioritätenliste für deren Ausbau, zum anderen Bewertung des Gesamtstraßennetzes. Darunter fallen auch die Bundes- und Staatsstraßen. Das Papier werde nun zunächst im Haus ausgewertet, bevor es den Bürgermeistern vorgestellt wird. "Einen Termin dafür gibt es aber noch nicht" sagt Kaiser.
Wenig tröstlich ist das für die Anlieger der desolaten S 205. Sie müssen weiter mit der Huckelpiste und zumindest bis Oktober mit den nahezu endlosen Lkw-Kolonnen vor ihrer Tür leben. Denn so lange sollen die Bauarbeiten an der B 101 bei Vollsperrung dauern.


