Keine Funkstille um den Sendemast
Bürgerinitiative macht sich stark gegen Bau eines Funkmastes am Grenzweg in Frankenberg
Frankenberg. Noch ist die Schlacht nicht geschlagen. Für beide Seiten nicht. Aber Bewegung bleibt in der Sache BOS-Digitalfunkmast am Grenzweg in Frankenberg.
"Die Prüfung zum Standort in Frankenberg läuft derzeit noch", sagte am Donnerstag Lothar Hofner, Pressesprecher des Innenministeriums in Dresden, auf Anfrage der "Freien Presse". Die Überprüfung und einen zwischenzeitlichen Baustopp für den 53 Meter hohen Sendemast hatte eine Bürgerinitiative dem Freistaat abgerungen. Immer lauter waren die Proteste geworden. Hunderte Frankenberger aus verschiedenen Wohngebieten hatten in den vergangenen Wochen auf zwei Versammlungen teils sehr emotional ihre Befürchtungen formuliert, dass Anwohner durch diese hochfrequente Strahlung, der der Körper 24 Stunden am Tag ausgesetzt ist, gesundheitliche Schäden davontragen könnten. Deshalb sei der Bau des Funkmastes mit doppelter Sendeleistung in einem Wohngebiet, in dem vor allem junge Familien mit Kindern Zuhause sind, unverantwortlich. Das war der einhellige Tenor in den Diskussionsforen.
Vor einer Woche räumte dann Andreas Nickl, Projektleiter für den Aufbau des BOS-Digitalfunks in Sachsen, ein, dass der Standort noch einmal überprüft werden soll. Und so geschieht es derzeit. "Die Abstimmung erfolgt zwischen dem Innenministerium und der Stadtverwaltung Frankenberg", sagte dazu Hofner. Wann eine Entscheidung fallen könnte, ließ er am Donnerstag allerdings offen.
Doch die Frankenberger stört noch etwas anderes: Nämlich, dass sie im Vorfeld nicht über die Absicht zur Errichtung eines solchen Funkmastes informiert worden sind. Bereits im Jahr 2009 hatte die Stadtverwaltung im Alleingang diesen Standort an der S 203 dem Freistaat zur Verfügung gestellt. Das ist offenbar aber von dem so gewollt.
"Beim Bau von BOS-Digitalfunkmasten handelt es sich um eine kritische Infrastruktur, weshalb die Planung von Standorten vertraulich unter besonderen Sicherheitsanforderungen erfolgt", sagte Pressesprecher Hofner. Eine Auskunft zu bereits vorhandenen Standorten könne seitens des Innenministeriums nicht erteilt werden. Dabei hatte Projektleiter Nickl auf der jüngsten Bürgerversammlung in Frankenberg diese Zahlen genannt: Für den Aufbau des digitalen Funknetzes für Behörden und Rettungsdienste braucht es bundesweit 4500 Antennenstandorte. 250 befinden sich in Sachsen. "Bei allen Bauvorhaben werden selbstverständlich vorschriftsmäßig die Baugenehmigungsverfahren eingehalten. Das Einvernehmen der Stadt Frankenberg und die Stellungnahmen der zuständigen Träger öffentlicher Belange zum Standort liegen vor", führte Hofner weiter aus. Rico Bretschneider, Sprecher der Bürgerinitiative, kann diese Geheimniskrämerei nicht nachvollziehen. Aber er ist dennoch froh, dass Bewegung in die Sache kommt. "Ich finde es gut, dass das Innenministerium jetzt noch einmal prüft, ob der Funkmast am Grenzweg gebaut werden soll oder nicht", sagte er am Donnerstag. Besonders dankbar sei er den Stadträten, speziell der Fraktion der Gewerbetreibenden, und Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU), dass sie das Anliegen der Bürgerinitiative unterstützen. "Wir wollen zusammenarbeiten", sagte er. "Wir Bürger allein hätten es wahrscheinlich nicht geschafft. Nun warten wir natürlich gespannt auf eine Antwort aus Dresden." Der Bürgermeister habe zugesagt, dass er die Anwohner zeitnah über eine Entscheidung informiert.


