Kino ist auch Knutschen in der letzten Reihe
Mitglieder der Interessengemeinschaft "Welt-Theater Frankenberg" machen Erinnerungen an die Zeiten des Lichtspielhauses wieder lebendig
Frankenberg. Frankenberg. Was sie verbindet, sind Erinnerungen aus früheren Tagen: Sich als Zwölfjährige in die Abendvorstellung schleichen, für eine Mark den Kinderfilm schauen, in der letzten Reihe mit dem neuen Schwarm knutschen. Über das Kino und die damit verbundenen eigenen Erlebnisse könnten sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) "Welt-Theater Frankenberg" stundenlang austauschen.
Immer wieder werden alte Geschichten hervorgekramt, doch seit einem halben Jahr kommen auch neue hinzu. Denn: Die IG lässt die alte Kinotradition wieder aufleben, sorgt am 6. März wieder für Kultur im Kinosaal. Die Gründe für das Mitwirken der gut 20 Ehrenamtlichen lassen sich schnell zusammenfassen: Endlich soll es wieder Kino in der Stadt geben. "Wir sind doch irgendwie alle mit dem Kino großgeworden", erklärt Christine Siegel aus Frankenberg, warum es ihr nicht schwerfiel, sich der Initiative anzuschließen. Bei den regelmäßigen Treffen darf und soll sich jeder einbringen. Diesmal hat Christine Seidel Kinoprogramme aus den 1960er Jahren dabei. "Ich bin jedes Mal begeistert, wie es bei den Treffen vorangeht. Die Leute packen alle mit an, und zwar mit Begeisterung", schildert Monika Wenzel.
Sie war früher oft in der Visionsbar, schaute wie die meisten Ehrenamtlichen im September 2009 zum Denkmaltag im "Welt-Theater" vorbei und meldete sich schließlich zur Mitarbeit. So ging es auch Gisela Riedel, die in der IG die Funktion der Schatzmeisterin übernommen hat. "Von Berufs wegen leiste ich eben auf diese Weise meinen Beitrag zum Gelingen", sagt die kino-interessierte Buchhalterin. Mit ganz anderen Fähigkeiten unterstützt Michael Schreiter die IG. Er hat in den vergangenen Monaten am Internetauftritt für das "Welt-Theater" gebastelt. "Ich war oft im Kino, habe sogar Filme vorgeführt", berichtet der junge Frankenberger. Und auch Ralf Neumann, Pächter des Kinogebäudes und Betreiber des "Blue Café", ist froh, dass der Kinosaal nicht länger leer steht. "Ich hoffe, dass die Jugendlichen hier ein kulturelles Angebot finden", betont Neumann. Zum Jugendkulturtag in Frankenberg Ende Mai will sich die IG auf jeden Fall einbringen. Lob gibt es für das Engagement der Kinoliebhaber auch von Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU): "So eine Initiative hat mir lange Zeit gefehlt. Ich finde es gut, dass hier von den Bürgern etwas für die Bürger getan wird."


