Bei der Organisation von "Krach am Bach" in Berthelsdorf ist Jugendclubchef Andreas Wernicke (oben rechts) von der Sächsischen Landjugend unterstützt worden. Damit kann er nun nicht mehr rechnen.
Foto: Falk Bernhardt/Archiv
Landjugend gibt ihre Arbeit auf
Reaktion auf Kürzungen: Verein will die 42 Jugendklubs nur noch bis Dezember betreuen
Mittweida/Böhrigen. Mittweida/Böhrigen. Schlechte Nachricht für 42 Jugendklubs in Mittelsachsen: Der Verein "Sächsische Landjugend" (SLJ) stellt seine Tätigkeit zum Jahresende ein. Grund für diesen Schlussstrich nach 20-jähriger Arbeit sind die drastischen Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. "Wir sehen keine Perspektive mehr", teilte SLJ-Geschäftsführer Björn Redmann am Freitagnachmittag mit. Diese Meldung kam überraschend.
Die Zuschüsse vom Land seien enorm geschrumpft. "In diesem Jahr stehen uns 30 Prozent weniger Mittel als 2009 zur Verfügung", erläuterte Redmann. Konkrete Zahlen wollte er allerdings nicht nennen. Trotz mehrfacher Gespräche mit dem sächsischen Sozialministerium sei keine Lösung für die Finanzierung der hauptamtlichen Mitarbeiter gefunden worden.
Deshalb müssen alle neun Beschäftigten entlassen werden. Betroffen von dieser Kündigungswelle sind auch die drei Mitarbeiter und die Praktikantin des Projektes "Mobile Jugendarbeit" mit Sitz in Böhrigen. Diese kümmern sich um die 42Jugendklubs in zehn Orten des Kreises. Erst im Mai hatten sie die 48-Stunden-Aktion unterstützt, in der Jugendliche bei gemeinnützigen Projekten zupackten. Wie die Arbeit dort weitergehen soll, steht in den Sternen. "Wir haben die Entscheidung diese Woche vom Vereinsvorstand erfahren", erklärte Projektleiterin Mandy Wiesner am Freitag. Näheres konnte sie noch nicht sagen.
"Die Sächsische Landjugend ist leider ein Opfer der fehlgeleiteten Kahlschlagpolitik der Regierung Tillich", wetterte am Freitag Dan Fehlberg, Sprecher der Grünen in Mittelsachsen. Der Verein habe offenbar nach dem "letzten Kürzungshammer in der Jugendarbeit" im Dezember 2010 resigniert. Fehlberg befürchtet obendrein, dass der Verein nicht das einzige Opfer bleiben wird.
"Das Aus der Landjugend wäre für uns ein großer Verlust", urteilte Andreas Wernicke im Jugendclub Berthelsdorf. Der sächsische Verein sei für den Treff ein guter Partner, gerade wenn es um die Organisation von Veranstaltungen wie "Krach am Bach" gehe. Auch Striegistals Bürgermeister reagierte betroffen auf die Nachricht. "Das ist eine schlechte Entscheidung für den ländlichen Raum und für uns als Gemeinde", sagte Bernd Wagner (parteilos). Striegistal habe gute Erfahrungen mit der Sächsischen Landjugend gemacht.
Unterdessen sucht der Verein laut Geschäftsführer Redmann fieberhaft nach einer Lösung, um wenigstens die Mobile Jugendarbeit zu retten. Denn die Finanzierung für dieses Projekt ist bisher gesichert - die zehn Kommunen, der Landkreis Mittelsachsen und das Land teilen sich in die Kosten. Allerdings schlägt auch hier die Kürzung der Jugendpauschale zu. "Doch wir ringen um einen Kompromiss", versicherte Redmann. Deshalb werde für dieses Projekt ein geeigneter Träger gesucht, der ab 2012 einspringt.
Die Kreisverwaltung wollte sich am Freitag dazu nicht äußern.


