Wenn Gastschüler reden, lauscht sogar der Bürgermeister: Erika Frank (r.) besuchte mit den anderen amerikanischen Gästen das Frankenberger Stadtoberhaupt Thomas Firmenich.
Foto: Falk Bernhardt
Mit gemischten Gefühlen in den Flieger nach Amerika
Austauschschüler aus den USA haben drei erlebnisreiche Wochen in Frankenberg verbracht - Urlaub im nächsten Sommer ist bereits gebucht
Frankenberg. "Happy" und "Sad" sind die zwei Wörter, die am Donnerstag in einem Frankenberger Imbiss am häufigsten gefallen sind. Bevor sie am Freitag in ihre Heimat aufbrechen, hatten sich die acht Schüler aus den Vereinigten Staaten von Amerika noch einmal zum Mittagessen versammelt und die vergangenen Wochen Revue passieren lassen. Happy - also glücklich - sind sie, weil sie schon bald ihre Heimat, ihre Freunde und ihre Familien wiedersehen. Sad - das heiß traurig - sind die 16- und 17-Jährigen aber auch. "Die Zeit hier war wirklich wunderschön, wir werden alles hier vermissen", berichtet Lehrerin Diane Grim stellvertretend für ihre Schüler.
Doch die wollen jetzt selbst zu Wort kommen und werden langsam wach. "Wir sind todmüde", sagt Christine. "Aber auch richtig glücklich." Und jetzt sprudelt es aus ihr und den anderen heraus: "Die Architektur hier ist grandios", so Erika. "Das Essen ist richtig gut", schwärmt Jared. "Die Ausflüge waren klasse", fügt Nicky an. Und auch Christine hat eine Meinung: "Wir haben hier viel lernen können." Schließlich bringt es Cassie auf den Punkt: "Hier war alles toll."
Seit dem 18. April waren die Austauschschüler aus Vernon im Bundesstaat Connecticut in Sachsen. Bei Gastfamilien haben die acht jungen Leute ein Dach über dem Kopf bekommen, am Frankenberger Martin-Luther-Gymnasium haben sie gelernt. "Ja, wir mussten hier ganz schön viele Hausaufgaben machen", erzählt Erika. Und Deutsch gelernt haben sie auch alle ein bisschen. An diesem Mittag werden vor allem das typisch deutsche Wort "Döner" und der Begriff "Knoblauchsauce" gebraucht.
"Die Deutschen essen viel gesünder als wir und lassen sich mehr Zeit dabei", meint Lehrerin Diane Grim erkannt zu haben. "Das stimmt", nicken ihre Schüler und beißen hastig in ihre Pizzastücken. Ein bisschen Amerika muss also auch mitten in Frankenberg sein. Und während sie kauen, verteilen die jungen Gäste eifrig Komplimente an Mittelsachsen: "Frankenberg und Freiberg sind richtig tolle Städte", sind sie sich einig. "So etwas gibt es bei uns gar nicht." Beeindruckt waren sie vom Freiberger Dom und vom Besuch beim Frankenberger Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU), der von der Jahrhundertflut 2002 erzählte. "Unvorstellbar", hörte man die jungen Leute murmeln. Also auf Englisch. Also "unbelievable".
Auch die Ausflüge nach Berlin und ins ehemalige Konzentrationslager Buchenwald werden ihnen in Erinnerung bleiben. "Man begreift die Geschichte erst, wenn man das gesehen hat", sagt Anne mit ernster Stimme. Wenn sie Freizeit hatten, sind die Amerikaner mit ihren Gastfamilien durch die Gegend gezogen. Vom Spreewald und den Hexenfeuern schwärmen sie, ebenso vom Wetter. "Ist das immer so schön hier?", fragt Nicky. Die Antwort hatte sie aber eigentlich schon am Mittwoch beim Besuch in Dresden bekommen. "Wunderschöne Stadt, leider war es kalt und extrem nass."
Und was nehmen sie mit in ihre Heimat? "Zunächst einmal sehr viele Souvenirs", lachen sie. "Und ganz viele Eindrücke von tollen Städten und netten Menschen." Und auch, wenn Deutsch lernen mitten im dialektbewanderten Sachsen eher unmöglich war, für Nicky steht wie für manch anderen aus der kleinen Reisegruppe fest: "Ich komme nächsten Sommer wieder nach Frankenberg. In den Ferien!"


