NS-Propaganda stammt nicht von Max Kästner

Inhaltsverzeichnis der Stadtchronik liefert Beweis für Unschuld des Namensgebers der Förderschule

Frankenberg. Die Nazi-Propaganda in der Frankenberger Heimatchronik von 1938 stammt nicht aus der Feder von Herausgeber Max Kästner. Das geht aus dem Inhaltsverzeichnis des Buches hervor, das der "Freien Presse" jetzt vorliegt. Der Namensgeber der örtlichen Förderschule für geistig Behinderte ist damit vom Vorwurf entlastet, den Nationalsozialismus mit Sätzen wie "Der letzte marxistische Schlupfwinkel wurde ausgeräuchert" verherrlicht zu haben.

Das Heimatbuch "Aus dem Leben einer kleinen Stadt" endet mit einem detaillierten Inhaltsverzeichnis. Darin wird als Autor des Abschnitts "Frankenberg vor und nach der nationalsozialistischen Erhebung" der Name Ehrhardt Weichelt genannt. Der war in den 1930er Jahren Bürgermeister in Frankenberg und ein überzeugter Nationalsozialist - niemand, dem man als Herausgeber damals so einfach im Text herumstrich.

Eine Studie des Chemnitzer Historikers Geralf Gemser über Namensgeber von Schulen und ihre Rolle in der Nazi-Zeit hatte Max Kästner und die Frankenberger Förderschule bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. In Medienberichten wurden Kästner nicht nur irrtümlich Zitate aus der Heimatchronik zugeschrieben, sondern auch der falsche Eindruck erweckt, der Pädagoge sei NSDAP-Mitglied gewesen. Der Autor der Studie blieb derweil bei seiner Haltung, Max Kästner habe eine Nazi-freundliche Gesinnung gehabt. Zur Begründung führte er Kästners Mitgliedschaft im NS-Lehrerbund an. "Hinzu kommt eine absurde Forderung von ihm als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker, man solle einen Ausrottungskrieg gegen exotische Pflanzen führen." Gemsers Fazit: "Man muss nichts dramatisieren, Max Kästner war kein Täter." Aber die Fakten verdienten es, besprochen zu werden.

Der Förderverein der Max-Kästner-Schule sieht den Namensgeber mit den neuen Erkenntnissen indes rehabilitiert. "Wir sind entsetzt darüber, dass mit einer solch unsauberen Recherche eine ganze Schule und vor allem auch die Familie Max Kästners verunglimpft wurde", sagte der Vereinsvorsitzende Wolfram Fränken.

Auch die Urenkelin von Max Kästner, die in Hainichen lebt, zeigte sich gestern erleichtert, dass die wahren Zusammenhänge aufgedeckt wurden. "Das hat uns schon erschüttert, wie mein Urgroßvater öffentlich in Misskredit gebracht wurde", sagte Franziska Kästner. Für die 32-Jährige ist unbegreiflich, wie ihr Urgroßvater mit NS-Propaganda in Verbindung gebracht wurde: "Bevor der Name Max Kästner 1994 an die Förderschule vergeben wurde, hatte man ausführlich recherchiert."

 
erschienen am 03.02.2009 ( Von Oliver Hach )
 
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