Matthias Uhlemann, Heinz Struck und René Schröter (von links) hatten am Donnerstag alle Hände voll zu tun, um das Wasser abzupumpen, mit dem bislang unbekannte Täter das Rochsche Haus in der Nacht zum Donnerstag fluteten. Der tiefer liegenden Fahrstuhlschacht war vor allem betroffen.
Foto: Falk Bernhardt
Rowdys setzen Rochsches Haus unter Wasser
Für 3,6 Millionen Euro saniertes Mittweidaer Kommunikationszentrum soll am Sonntag eingeweiht werden - 500 Euro Belohnung für Hinweise
Mittweida. Mittweida. Wenige Stunden vor der Einweihung des aufwändig sanierten so genannten Rochschen Hauses an der Kapellengasse 8 in Mittweida haben bislang unbekannte Täter in der Nacht zum Donnerstag das denkmalgeschützte Gebäude unter Wasser gesetzt.
"Es ist ein nicht unerheblicher Schaden entstanden", zeigte sich Oberbürgermeister Matthias Damm (CDU) am Donnerstagmorgen bestürzt über die Tat. Die geplante Feier zur Einweihung dieses neuen städtischen Kommunikationszentrums, in dem das Archiv und das Standesamt ihr neues Domizil bekommen sollen, wird laut Damm dennoch am Sonntag anlässlich des Tages des offenen Denkmals stattfinden. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hat die Stadt eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.
Damm hat sich am Donnerstag selbst vor Ort ein Bild vom Ausmaß des Schadens gemacht. Von einem Außenwasserhahn wurde ein Schlauch etwa 15 Meter weit bis zu einer verschlossenen Tür gezogen und dort in den Türspalt eingeklemmt. Für den OB gibt es nun zwei Möglichkeiten: "Wenn dieser Anschlag geplant war, dann muss es jemand mit Insiderwissen gewesen sein", mutmaßt der OB. Sollte die Tat allerdings jemand, wie er sagt, "aus Blödsinn oder aus einer spontanen Idee heraus" begangen haben, dann mit hoher krimineller Energie. "Ich bin mir durchaus bewusst, dass sich die Täter durch die nun in Gang gesetzte öffentliche Diskussion vielleicht noch bestätigt fühlen. Aber uns geht es darum, sie durch Hinweise aus der Bevölkerung ausfindig zu machen", hofft Damm auf Unterstützung.
Denn der Aufwand der Restaurierung, die schließlich auch aus Steuergeldern finanziert worden war, sei immens. Fast fünf Jahre lang hat der Umbau gedauert. Durch die 3,6 Millionen Euro teure Investition, die zu 75 Prozent über das städtebauliche Programm für Denkmalpflege gefördert wurde, verschwand ein innerstädtischer Schandfleck. Das marode Gebäude - in der Bevölkerung unter dem Namen Kaserne bekannt - konnte in alter neuer Schönheit neu erstrahlen.
Thomas Knabe von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge hält nach den bisher geführten Untersuchungen die im Rathaus verwendete Bezeichnung "Wasser-Anschlag" für übertrieben. "Es handelt sich hier um eine Sachbeschädigung, bei der vor allem der tiefer liegende Fahrstuhlschacht in Mitleidenschaft gezogen wurde", sagte er der "Freien Presse". Die Ermittlungen würden nun "im Rahmen der normalen Polizeiarbeit" weitergeführt. Den durch das Wasser verursachten Schaden beziffert die Polizei auf rund 2500 Euro. Laut Damm werde die Stadt an der öffentlichen Einweihung des sanierten Gebäudes am Sonntag auf jeden Fall festhalten und hofft auf zahlreiche Gäste.
Hinweise, die zur Aufklärung dieses Falls beitragen können, nimmt das Polizeirevier Mittweida entgegen, das telefonisch unter 03727 9800 erreichbar ist.
Service
Tag des offenen Denkmals
Anlässlich des Denkmaltages am 12. September erfolgt um 10 Uhr die offizielle Übergabe des neuen Archiv- und Kommunikationszentrums. 10.30 Uhr wird es eine Führung durch das Stadtarchiv, 13 Uhr einen Vortrag zur Baugeschichte geben. Um 14Uhr ist eine Führung durch das Stadtarchiv geplant. Aktionen am Sonntag: Fotodokumentation des gesamten Bauablaufs, Denkmalquiz für Kinder.


