So schön präsentiert sich künftig das Roch'sche Haus in Mittweida. In dem vollständig sanierten Gebäudekomplex, erstmals zum Tag des offenen Denkmals am 12. September zu besichtigen, befinden sich künftig das Stadtarchiv sowie das Standesamt.
Foto: Falk Bernhardt
Sammeln und Heiraten unter einem Dach
Stadtarchiv und Standesamt ziehen in für 3,5 Millionen Euro sanierten Gebäudekomplex ein - Erste Besichtigungen zum Tag des Denkmals
Mittweida. Mittweida. In eines der ältesten Gebäude Mittweidas zieht nach fast fünfjähriger aufwändiger Sanierung neues Leben ein. Künftig wird im so genannten Roch'schen Haus, dessen Spuren bis ins 17. Jahrhundert reichen, das Archiv- und Kommunikationszentrum der Stadt einen würdigen Platz erhalten. Erstmals zum Tag des offenen Denkmals am 12. September können Besucher einen Blick in den komplett neu gestalteten Komplex an der Kapellengasse 8 werfen.
Mit der 3,6 Millionen Euro teuren Baumaßnahme, die zu 75 Prozent über das städtebauliche Programm für Denkmalpflege gefördert wurde, verschwindet ein Schandfleck inmitten der Stadt. Das marode Gebäude, in der Bevölkerung unter dem Namen "Kaserne" bekannt, erstrahlt in alter neuer Schönheit.
"Die Schwierigkeit bestand darin, einen Kompromiss zu finden: zwischen moderner öffentlicher Nutzung als Archiv und Standesamt sowie den Anforderungen, die die Denkmalpflege an das historisch bedeutsame Haus stellt", erklärte Beigeordneter Ralf Schreiber. "Im Stadtarchiv, das bereits jetzt randvoll ist, war kein Platz mehr."
Beide Etagen des neuen Archivs seien mit modernsten Hebelschubanlagen versehen. Letztere ermöglichen eine hohe Packungsdichte und gewährleisten so eine langfristige Aufnahme von neuem Archivgut. Doch auch historische Kostbarkeiten gibt es in den Archivräumen. So legten die Restauratorinnen Daniela Arnold und Claudia Luckenbach unter Farbschichten eine dekorative Deckenmalerei frei. Sie entstand um 1730 im Stil der Chinoiserie, eine an chinesischen Vorbildern orientierte europäische Malerei.
Dekorativ und repräsentativ präsentieren sich zwei Trausäle. Auch hier wurden die Spuren reicher Stadthistorie sichtbar gemacht. Dabei handelt es sich um eine nach dem Original wieder hergestellte barocke Stuckdecke und eine Sockelbemalung, die sowohl das restaurierte Original als auch neue Ornamente zeigt.
Der komplette Südflügel des denkmalgeschützten Hauses allerdings musste auf Grund des maroden Zustands bis auf das Kellergewölbe abgerissen werden. "Doch der Besucher wird weiter Zugang haben zu dem ältesten Tonnengewölbe der Stadt Mittweida", so der Beigeordnete. Ziel ist es, dort künftig ein Lapidarium, eine Sammlung von Steinwerken, einzurichten. "Aber das ist Zukunftsmusik", so Schreiber. Zu sehen sein werde dagegen eine Originalwand aus dem 16. Jahrhundert, die anhand der Farbschichten die Entwicklung bis zur Gegenwart sichtbar macht.
Künftig soll der neue Prachtbau den Namen Roch'sches Haus erhalten. "Bei einigen Bürgern hieß das Haus früher Sattler'sches Haus in der Annahme, damit den ersten Eigentümer zu würdigen." Doch neueste Forschungen ergaben, dass ein Händler Namens Roch erster Besitzer war. "Dieser Erkenntnis soll in der Namensgebung Rechnung getragen werden."
Service
Tag des offenen Denkmals am 12. September.
10 Uhr: Offizielle Übergabe des neuen Archiv- und Kommunikationszentrums.
10.30 Uhr: Führung durch das Stadtarchiv.
13 Uhr: Vortrag zur Baugeschichte.
14 Uhr: Führung durch das Stadtarchiv.
Aktionen: Fotodokumentation des gesamten Bauablaufs, Denkmalquiz für Kinder.


