Klaus Wilde erneuert die Elektrik nach dem Kellerbrand im Neubaublock Ottendorfer Hang 5 in Hainichen.
Foto: Falk Bernhardt
Schadensbegrenzung nach Brandstiftung in Hainichener Wohnhaus
Handwerker arbeiten mit Hochdruck, damit die Mieter wieder einziehen können
Hainichen. Vor dem Hauseingang Ottendorfer Hang 5 in Hainichen liegen verkohlte Fahrräder auf einem Haufen. Alles Schrott. Schon im Hausflur riecht es penetrant nach verschmorter Plaste. Im Keller scheint der Geruch niemanden zu stören. Heizungsinstallateure sind am Arbeiten, reparieren geborstene Wasserleitungen. Die Mitarbeiter der Elektrofirma von Donald Bösenberg ziehen Kabel. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, helfen sie sich mit einer Lichterkette. Über der Eingangstür zu dem Keller, in dem am Sonntagabend das Feuer ausbrach, biegt sich bedrohlich ein Stahlträger. Die Flammen haben ganze Arbeit geleistet.
Die Heizung arbeitet seit Montagmorgen wieder. "Wir hatten sie provisorisch abgeschaltet", sagt Hartmut Stäps, technischer Assistent des Vorstands der KWG Wohnwert AG, zu der die Hainichener Wohnungsgesellschaft gehört. Es gibt wieder Strom in den Wohnungen. Noch funktionieren Klingel- und Sprechanlage nicht. Doch die Handwerker arbeiten auch daran mit Hochdruck.
In Ausweichquartieren
Gegen 14 Uhr kommt Jürgen Dörner. "Jetzt muss ich mir wohl doch ein paar Sachen holen", sagt er. Er gehört zu den 27 Mietern, die die Feuerwehr in der Nacht zum Montag aus dem Haus zum Teil über die Drehleiter befreien musste. Die meisten sind inzwischen bei Verwandten untergekommen. Sechs Leute hat die Wohnungsgesellschaft vorrübergehend in den zwei Gästewohnungen in der Stadt untergebracht. "Ich bin in der großen Wohnung in der Keller-Siedlung", erzählt Jürgen Dörner. "Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir schon zurück in unsere Wohnung können, aber uns sagt ja keiner was."
Gerhardt Fischer ist nach der Schreckensnacht im Haus geblieben. "Sehen Sie, ich wohne da links", zeigt er nach oben. Bis dorthin haben es die Flammen nicht geschafft. "Die Feuerwehr hat ja alles gegeben", sagt er. Klar, der Brandgeruch störe etwas, es müsse ordentlich gelüftet werden, das Telefon geht noch nicht, und ab und zu wird auch noch einmal der Strom abgeschaltet, zählt er auf. Dennoch, der 79-Jährige wollte in kein Ausweichquartier.
Zweiter Kellerbrand
Dabei weiß er: "In dem Haus hat es schon einmal gebrannt." Das war im November 2002. Das Feuer brach ebenfalls im Keller des Hauses aus. Damals mussten die Kameraden der Hainichener Feuerwehren 42 Bewohner evakuieren. Doch noch in der Nacht konnten die Hausbewohner in ihre Wohnungen zurückkehren. Niemand wurde verletzt, das Gebäude blieb bewohnbar.
Nun hofft Hartmut Stäps, dass alles im Haus wieder funktioniert, das Leben für die Mieter in geordnete Bahnen kommt. Für die meisten jedenfalls. 51 der 74 Wohnungen im Sechsgeschosser sind vom Brand in Mitleidenschaft gezogen worden. Nicht alle müssen sofort renoviert werden, denn nur 31sind vermietet. Allerdings sind acht Wohnungen stark betroffen. Deren Mieter müssen wohl noch länger bei Verwandten ausharren, bis die Spuren der Brandnacht verschwunden sind. Die Polizei indes ermittelt noch, ob das Feuer fahrlässig oder vorsätzlich gelegt wurde.


