In der Ausstellung "Unsere neue Heimat - Sachsen" im Rathaus Hainichen erzählt Siegfried Paschel (rechts), Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, Schülern von seinem Schicksal.
Foto: Falk Bernhardt
Schau erzählt von der Vertreibung
Die Wanderausstellung "Unsere neue Heimat - Sachsen" im Hainichener Rathaus noch bis 19. März zu sehen
Hainichen.
Hainichen. Ein Mann in zerlumpten Sachen, dazu ein von zwei Hunden gezogener Leiterwagen mit allerlei Hausrat und den letzten Habseligkeiten darauf, ist am Montag durch das verschneite Hainichen zum Rathaus gezogen.
Andreas Brückner stellte damit das nach, was vor nunmehr 65 Jahren das Bild in Deutschland bestimmte: Flüchtlingsströme zum Ende des zweiten Weltkriegs aus dem Osten. Von 15 Millionen Vertriebenen verloren damals etwa 2,5 Millionen ihr Leben. Davon berichtet die Wanderausstellung "Unsere neue Heimat - Sachsen", die am Vormittag im Rathaussaal eröffnet wurde und dort in den nächsten zwei Wochen zu sehen ist.
In der Exposition werden dem Besucher auf 30 Tafeln die Erlebnisse und Brüche im Leben der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler nahegebracht und neben der Gesamtsituation auch viele einzelne Schicksale aufgegriffen. Besonderes Augenmerk liegt auf den ersten Nachkriegsjahren, der Integration von Millionen Vertriebenen in neue Strukturen.
Davon berichtete zur Eröffnung vor Neunt- und Zehntklässlern der Maxim-Gorki-Mittelschule auch stellvertretend für andere Aussiedler der Hainichener Siegfried Paschel. Der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen hat die Ausstellung nach Hainichen gebracht, seine Erinnerungen an diese Zeit und die Kindheit im schlesischen Dorf Deutscheck in zwei Büchern niedergeschrieben.
"Inzwischen habe ich die Berichte in alle Welt verschickt, nun auch nach Polen, denn dort wird jetzt die Geschichte langsam aufgearbeitet", erzählte Paschel. Es war am 21. Februar 1945, als sein Treck mit 150 Wagen von Mobendorf kommend Hainichen erreichte. "Damit stieg die Bevölkerungszahl hier wieder um 20 Prozent, nach dem Krieg war jeder fünfte Hainichener ein Umsiedler", erklärte Paschel. Organisieren durfte man sich aber erst mit der Wiedervereinigung. Heute könne man auch wieder die alten Heimatlieder singen, Kostproben davon gab der Hainichener Walter Wiedemann, Jahrgang 1935, mit seinem Akkordeon.
"Die geschichtlichen Zusammenhänge werden hier gut dargestellt", würdigte CDU-Landtagsabgeordnete Iris Firmenich die Ausstellung, die auch ein Beitrag zum Zusammenwachsen Europas sei. Sie habe sich erst mit Beginn ihrer Abgeordnetentätigkeit im Jahr 1999 mit der Flüchtlingsproblematik ernsthaft beschäftigt, sei von vielen Erzählungen sehr erschüttert worden. So gab sie gestern den Schülern mit auf den Weg: "Sprechen sie mit Zeitzeugen, so lernt man am besten".
Die Gelegenheit nahmen die Schüler war, nicht nur, weil ihnen dazu eine schulische Aufgabe gestellt wurde. Paschel sowie weitere Umsiedler aus Hainichen beantworteten gern die Fragen. Als Anschauungsmaterial verbleibt auch der eingangs erwähnte Leiterwagen im Rathaus. Die dazugehörigen Utensilien stammen aus der Sammlung von Walter Glöckner aus Eulendorf.
Service
Die Ausstellung "Unsere neue Heimat - Sachsen" ist bis 19. März im Rathaus Hainichen zu sehen. Geöffnet: Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr.


