Der Rochlitzer Schwimmmeister Andreas Quegwer hofft in den letzten beiden Augustwochen und Anfang September auf eine Warmwetterperiode. Dann könnte das Einnahmeloch noch ein wenig aufgefüllt werden.
Foto: Mario Hösel
Badkosten sind für Städte kalte Dusche
Der miese Sommer droht Löcher in die Kassen der Kommunen zu spülen
Rochlitz/Geringswalde. Die aktuelle Freibadsaison strapaziert die Stadtkassen von Rochlitz, Penig und Geringswalde stärker als geplant. Bereits vor dem Ende deutet sich ein Rekordminus an. "Wir erleben in diesem Jahr eine totale Flaute", umschreibt Penigs Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt die angespannte Lage. "Der Sommer ist eine Pleite", resümiert Geringswaldes Schwimmmeister Günther Lottes. Und in Rochlitz weiß Hauptamtsleiter Mario Rosemann: "Dieses miese Wetter haut voll rein."
Die Stimmung der Finanzer in den Verwaltungen ist in diesem Jahr am Gefrierpunkt angelangt. Der Grund: Das unbeständige Wetter hält die Besucher von Bädern fern - und bringt den Fluss der Eintrittsgelder nahezu zum Stillstand. Wenngleich der Betrieb von Freibädern immer ein Zuschussgeschäft ist, stellt sich die Situation in Geringswalde und Penig dieses Mal als ganz bitter dar. "Wir haben bisher gerade einmal ein Drittel der geplanten 23.000 Euro eingenommen. Die Besucherzahl liegt 7000 unter dem Vorjahreswert", sagt Günther Lottes. In Penig stellt sich die Kämmerin auch schon auf eine kalte Dusche ein. Obwohl das Bad einen Monat früher geöffnet hat als 2010, sind die erhofften Einnahmen noch in weiter Ferne. "Wir stehen bei lediglich 50 Prozent des gesetzten Zieles von 26.000 Euro. Und dies ist schon niedriger als im Vorjahr angesetzt", zeigt Manuela Tschök-Engelhardt auf. Und die Folgen dieses Einnahmeausfalls führt sie gleich mit ins Feld: "Der Zuschussbedarf steigt damit voraussichtlich auf mehr als 180.000 Euro."
Natürlich hinkt auch Rochlitz den Erwartungen deutlich hinterher: 51.000 Euro sollen eingenommen werden, bisher haben die Besucher aber nur 25.000 Euro Eintrittsgelder in die Kasse gespült. "Einige Dauerkartenbesitzer zahlen erst nach der Saison. Daher liegen wir momentan schätzungsweise 30 Prozent unter den Erwartungen", sagt Mario Rosemann. Die im vergangenen Jahr heiß debattierte Auslagerung der Betriebsführung sei vorerst kein Thema. "Über Details sprechen wir im Herbst, wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen. Fakt ist: Wir müssen Sparpotenziale generieren", kündigt Mario Rosemann an.
Angesichts der ohnehin angespannten finanziellen Lage der Kommunen stellt sich erneut die Frage, ob sich die Städte ihre Bäder weiterhin leisten können oder wollen. Klares Statement aus allen Verwaltungen: Schließungen stehen nicht zur Debatte. Darüber muss sich Lunzenaus Bürgermeister keine Sorgen mehr machen - sein Bad ist schon viele Jahre zu. "Einerseits bedauere ich das", sagt Ronny Hofmann (CDU). Andererseits könne sich eine Stadt von der Größe Lunzenaus diesen Luxus "leider" nicht mehr leisten. "Daher war die Schließung damals richtig. Ich bin unter dem Strich froh, dass wir kein Bad unterhalten müssen. Denn die finanzielle Lage der Kommunen bietet fast keine Spielräume mehr", konstatiert Ronny Hofmann. (mit grün)


