Geri-Fabrikhalle bleibt weiter besetzt
Gespräch mit Eigentümerin geplatzt - Grüne wollen helfen
Geringswalde.
Geringswalde. Die Besetzung des Gebäudes der ehemaligen Textilfabrik "Geri-Kleidung" in Geringswalde dauert an. Wie Polizei, Stadtverwaltung und Anwohner am Montag übereinstimmend bestätigten, ist die Lage in der Fabrikhalle Wiesenstraße 7 im Ortsteil Hilmsdorf bislang ruhig.
Seit drei Tagen hält eine Gruppe Geringswalder Jugendlicher das Gebäude besetzt, um die Stadt zu zwingen, Räume für ein Jugendzentrum zur Verfügung zu stellen. Ein in den gestrigen Nachmittagsstunden geplantes Gespräch zwischen den Besetzern und der Eigentümerin kam indes nicht zustande, sondern wurde auf die folgenden Tage verlegt. "Ich brauche Bedenkzeit", sagte die Besitzerin der Immobilie, die anonym bleiben möchte.
Der Geringswalder Bürgermeister hatte am Vormittag Ordnungsamt und Eigentümerin an einen Tisch geholt. "Wir sehen gegenwärtig keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit", betonte Thomas Arnold (parteilos). Es sei Sache der Eigentümerin, eine Lösung zu finden. "Für mich ist diese Besetzung eine spontane und eher unüberlegte Handlung, die ich absolut nicht toleriere. Eigentum ist nun mal zu respektieren", betonte das Stadtoberhaupt.
Er sei jederzeit zu Gesprächen bereit, sagte Arnold. "Aber wenn, dann mit 'offenem Visier'", so der Bürgermeister mit Verweis auf die vermummten Jugendlichen aus der linken Szene. Und erpressen lassen werde sich die Stadt auch nicht. Probleme sieht Anwohner Michael Dose auf sich zukommen. Sein Grundstück grenzt an das besetzte Gelände. Seit fünf Jahren lebt er dort mit Frau und acht Kindern.
"Die Lage ist momentan ruhig. Doch auf Dauer sehe ich unsere Sicherheit gefährdet", gibt er zu bedenken. "Eine solche Aktion ruft in der Regel die Gegenseite auf den Plan, und wie das ausgehen könnte, darüber möchten wir lieber nicht nachdenken. Wir waren froh über die Ruhe hier in der Gegend. Ich kann nur hoffen, dass das so bleibt."
Die Grünen in Mittelsachsen haben derweil ihre Unterstützung bei der Suche nach einer Lösung zugesagt. "Je nachdem, wie sich die Eigentümerin der Immobilie entscheidet, denken wir darüber nach, den Jugendlichen unter die Arme zu greifen und sie bei ihren Plänen zu unterstützen", sagte Sebastian Walter vom Kreisvorstand der Partei.
Nach der nunmehr dritten Nacht und der Installation einer Heizmöglichkeit in der "Geri-Kleidung" sei die Stimmung besser denn je, heißt es aus den Reihen der Besetzer. "Wir wechseln uns ab. Freunde versorgen uns mit Essen, und auch sonst kommen immer wieder Leute vorbei, die das Gespräch mit uns suchen", sagte einer der Jugendlichen und erklärte: "Wir hoffen, dass wir uns mit der Eigentümerin arrangieren können. Am Sonntagabend hätte sie den Räumungsbefehl unterschreiben können. Das hat sie nicht getan. Wir nehmen es als gutes Zeichen."


