Daniel Bergert Daniel Bergert, Chef der Wechselburger Hoch- und Tiefbau GmbH, hat den Streit um die Garage auf seinem Firmengelände satt.

Foto: Mario Hösel

Gewerbetreibender wirft das Handtuch

Firma Bergert will Gewerbe in Wechselburg abmelden - Neubauhalle ist verkauft - Eine Garage vereitelte Vorhaben

Wechselburg. Wechselburg. Die Hoch- und Tiefbau-Firma Bergert will ihr Gewerbe in Wechselburg abmelden. Das kündigt Inhaber Daniel Bergert an. Ursprünglich wollte er seine Firma, in der 40 Mitarbeiter beschäftigt sind, durch einen Hallenneubau erweitern. Dafür hätten 27 teils ungenutzte, teils baufällige und verfallene Garagen weggerissen werden müssen. Mit 26 Garagenbesitzern fand Bergert eine Lösung. Einzig mit Andreas Meinhold, der für die SPD im Gemeinderat sitzt, gab es keine Einigung.

"Ich habe Herrn Meinhold vor anderthalb Jahren für seine beiden Garagen je 500 Euro angeboten und, wie den anderen auch, eine Ersatzgarage. Er wollte je 2000 Euro", erinnert sich Bergert an den Beginn des "Wechselburger Garagenstreits", der so bitter-kurios ist, dass sogar das Fernsehen darüber berichtete. Mit der einen einzigen Garage, die dem Hallenneubau entgegen stand, beschäftigen sich noch heute Anwälte. Mittlerweile umsonst, denn Bergert hat die Konsequenzen gezogen. "Ziehen müssen. Der Rechtsstreit kostete und vor allem natürlich die Lagerung der bereits fertigen Halle. Ich musste handeln, so viel Geld war schon sinnlos den Bach runter gegangen", erklärt Bergert.

Jetzt ist die Halle verkauft. Mit einem Minus von 21.000 Euro. Und es kommen Angebote von Meinhold beziehungsweise über dessen Anwalt. "Herr Bergert hat in den vergangenen vier Monaten mindestens drei Angebote bekommen", bestätigt Meinhold schriftlich. Zugleich betont er, nicht Eigentümer der entscheidenden Garage zu sein.

"Herr Meinhold entrichtet seit 1990 die Grundsteuer für die Garage und ist demzufolge auch der, dem die Garage zu kündigen war. Und was die Angebote betrifft, da ist unter anderem von je 500 Euro pro Garage die Rede, also genau von der Summe, um die es schon vor anderthalb Jahren ging. Das ist doch Blödsinn und vor allem nun zu spät", erwidert Bergert.

Der Firmenbesitzer hat die Nase voll. So voll, dass er Wechselburg nun ganz den Rücken zuwenden und sein Gewerbe in einer anderen Stadt anmelden wird. Damit entgehen der Gemeinde wertvolle Gewerbesteuereinnahmen. "Auch wenn es mir leidtut, denn die Bürgermeisterin hat sich wirklich sehr bemüht, eine Lösung zu finden." Renate Naumann (CDU) reagierte mit Entsetzen auf diese Nachricht. "Ich bin am Boden, denn ich hatte immer noch Hoffnung. Das ist ein herber Tiefschlag für die Gemeinde." Mit Meinhold indes ist Bergert noch nicht fertig. Er will eine Schadensersatzforderung über 53.400 Euro geltend machen.

Meinhold hingegen sieht sich im Recht. "Ob jemals ein Hallenbau realisiert werden sollte, kann ich nicht einschätzen. In der Regel klärt der Bauherr erst alle bau- und öffentlich-rechtlichen Voraussetzungen, ehe er Verträge über den Kauf von einem Bauwerk abschließt. Diese Klärung wird von privatrechtlichen Gegebenheiten nicht beeinflusst. Ich bedaure außerordentlich diese Entwicklung", schreibt er.

Vom Landratsamt liegt folgende Stellungnahme zum Thema vor: "Die Firma Hoch- und Tiefbau Ber-gert in Wechselburg plant einen Hallenneubau und hat dazu eine Bauvoranfrage gestellt. Ein positiver Vorbescheid wurde Anfang 2009 im Ergebnis der Antragsprüfung erstellt", erklärt Landratsamtssprecher André Kaiser, dass die Voraussetzungen sehr wohl gegeben und abgesichert gewesen seien.

 
erschienen am 26.07.2010 ( Von Babette Philipp )
 
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