Hausbesetzung als Druckmittel: Etwa ein Dutzend Jugendlicher fordert eigene Räume für ein Kultur- und Freizeitzentrum in Geringswalde.
Foto: Marion Gründler
Jugendliche besetzen Industriebrache
Aktivisten sehen in Übernahme letztes Mittel, ihre Forderung nach eigenen Räumen in Geringswalde durchzusetzen
Geringswalde. Geringswalde. Eine Gruppe Jugendlicher hält das Gebäude der ehemaligen "Geri-Kleidung" in Geringswalde seit Sonnabendmittag besetzt. Mit der Aktion wollen die jungen Männer ihrer Forderung nach einem selbstbestimmten Jugend- und Kulturzentrum für Geringswalde und Umgebung Nachdruck verleihen. Geschaffen werden soll neben einem Veranstaltungsraum für Konzerte auch bezahlbarer Wohnraum sowie ein Schutzbereich vor rassistischen Übergriffen.
"Wir wollen keinen Krawall, sondern lediglich die Duldung im Gebäude, bis wir mit der Eigentümerin die Modalitäten geklärt haben. Wir hoffen auf einen langfristigen Mietvertrag, der uns Sicherheiten für unsere Projekte gibt. Außerdem hätte die Stadt einen Schandfleck weniger im Stadtbild", stellt einer der jungen Männer nachdrücklich fest.
Die Polizei nahm das Objekt etwa eine Stunde nach der Besetzung unter die Lupe. Die Kollegen hätten die Lage sondiert und die Forderung der Besetzer zur Kenntnis genommen, teilte ein Polizeisprecher mit. Die etwa ein Dutzend Jugendlichen, sympathisieren nach eigenem Bekunden mit dem Linksjugend-Verein "Solid". "Doch was der Verein bislang unternommen hat, um uns wieder ein Dach über dem Kopf zu geben, ist uns entschieden zu wenig", so der Tenor unter den Jugendlichen. "Jetzt müssen endlich Tatsachen geschaffen werden. Die Unterstützung, die wir bei der Suche nach Räumen von der Stadtverwaltung erhalten haben, ist gleich Null. Da fehlt jedes Interesse."
Das Gebäude am Ende der Wiesenstraße liegt etwas abseits in einer Sackgasse. Die Lage wäre den Jugendlichen recht, da laute Musik dort niemanden stört. Nachbarn gibt es trotzdem. Diese bescheinigen den Jungs ein gutes Verhalten. "Bis jetzt haben sie sich ordentlich aufgeführt", konstatiert Gerd Kappel, dessen Grundstück 100 Meter von der Industriebrache entfernt liegt. "Aber so eine Aktion kommt doch nicht von ungefähr. Wofür haben wir einen Stadtrat und eine funktionierende Verwaltung, wenn nicht für die Belange der Jugend. Denn das, was hier passiert, ist natürlich nicht der saubere gesetzliche Weg", schätzt Kappel ein.
Was war der Hausbesetzung voraus gegangen? Im November 2008 hatte die Geringswalder Stadtverwaltung allen Vereinen kündigen müssen, die Räume in der ehemaligen Mittelschule an der Mittweidaer Straße bezogen hatten. Die Immobilie ist seither zum Verkauf ausgeschrieben. Der Versuch, ein eigenständiges Jugendzentrum in einem Teil der ehemaligen Brauerei am Kellerbach zu installieren, scheiterte ebenfalls.


