Wer auf dem Parkplatz am Rochsburger Schloss sein Fahrzeug abstellt, muss dafür zahlen.
Foto: Mario Hösel
Knöllchen machen Städte nicht reich
Das große Geld wird weder in das Stadtsäckel von Lunzenau, Penig noch Rochlitz gespült
Lunzenau/Penig/Rochlitz. Zähneknirschend steht ein Mann an einem X-beliebigen Ort vor seinem Auto und klaubt einen Strafzettel unter dem Scheibenwischer hervor. Solche Szenen spielen sich tagtäglich in der Region ab. Selten fliegt der Zettel dabei im weiten Bogen in den Dreck. Manche mögen die Politesse verwünschen, andere denken, dass sie so wenigstens der Stadt etwas Gutes tun und ein Finanzloch stopfen.
Doch weit gefehlt. Weder in Lunzenau noch in Penig decken die Ausgaben für Personal und Sachkosten die Einnahmen, die Falschparker und Autofahrer, deren Parkscheibe abgelaufen ist, in das Stadtsäckel spülen. "Etwas einzunehmen, ist nicht der Ansatz unserer Kontrollen. Sie sollen für Ordnung und Sicherheit in der Stadt sorgen", sagt Lunzenaus Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU). Das unterstreicht Penigs Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt.
"Disziplin im Straßenverkehr ist unverzichtbar", sagt sie und fügt mit einem Augenzwinkern an: "Wir übertreiben es jedoch nicht, wenn jemand mal fix aus dem Auto springt, um sich ein Brötchen zu holen." Der Bürger solle sich nicht verfolgt fühlen. Und zum Thema Dauerparker bemerkt sie: "Die werden bei uns nicht geduldet."
Kein Wunder, hat doch Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) vor Jahren die Devise ausgegeben, die Innenstadt zu beleben. Mit anderen Worten: den Geschäften will die Stadt Kunden und somit Umsatz bringen. Eines der Mittel: kostenlose Kurzzeitparkplätze. Wessen Parkscheibe vor allem am Markt oder am Schloßplatz abgelaufen ist, steht diesem Ziel im Wege und bekommt eben ein Knöllchen. Auch in Lunzenau und Rochlitz sind es meist die Parkplätze in der Innenstadt, die zu lange belegt sind. Nicht selten liegt hinter der Fahrzeugscheibe gar keine Parkuhr.
Die Einnahmen sind dabei in allen drei Städten 2011 im Vergleich zu den Vorjahren leicht gestiegen. So waren es zum Beispiel in Rochlitz im vergangenen Jahr rund 14.500Euro, 2010 nur 12.800 Euro. In Lunzenau liegt diese Summe laut Hofmann seit langem im unteren zweistelligen Bereich. Eine leichte Steigerung sei der Zunahme der Delikte geschuldet. Waren es in Lunzenau 2010 185, so stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 249, in Rochlitz von 1300 auf 1400, in Penig von 171 auf 407. "Rund 60 Prozent der Ausgaben für die Überwachung sind nicht gedeckt und bleiben bei der Stadt hängen", erklärt Tschök-Engelhardt. 2011 nahm Penig 2705 Euro ein. Die Zahlen der drei Städte zeigen eine Sache deutlich: Große Finanzlöcher sind mit den Geldern nicht zu stopfen. Und noch etwas fällt auf. Andere Orte nehmen deutlich mehr ein, wie etwa die 9000 Einwohner zählende Stadt Leisnig, die 2011 durch Parkgebühren und Knöllchen 20.000 Euro kassierte.


