Verbeugung vor Clara Zetkin: die Vereinsmitglieder Renate Dibowski und Ursula Bergmann bei den Vorbereitungen zum 100. Frauentag im Museum "Alte Dorfschule" in Wiederau.
Foto: Andrea Funke
Kontroverse um 100 Jahre Frauentag
DGB sieht Jubiläum 2011 - Im Elternhaus von Clara Zetkin in Wiederau wird schon diesmal gefeiert
Wiederau. Wiederau. Wann wird der Frauentag 100? Um das große Jubiläum wird in diesen Tagen eine Kontroverse geführt: Der Deutsche Gewerkschaftsbund sagt 2011 und verweist auf den 19. März 1911. Damals fand in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA der erste Internationale Frauentag statt. Die politische Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mehr als eine Million Frauen gingen auf die Straße. Im Museum "Alte Dorfschule" in Wiederau, dem Elternhaus von Clara Zetkin, will man allerdings schon am Montag 100 Jahre Frauentag feiern.
Ursula Bergmann beschäftigt sich seit 1992 intensiv mit der Biografie von Clara Zetkin, auf deren Initiative die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages beschlossen hatte. 1910 - 2010, das sind genau 100 Jahre, sagt Ursula Bergmann. Und sie hat noch mehr Argumente für ihre Version des Frauentagsjubiläums: "Wir haben hier im Museum Unterlagen von den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag 1960 und vom 75.im Jahre 1985."
Die Wiederauerin hatte nach der Wende die Interessengemeinschaft "Heimat und Natur" ins Leben gerufen, aus der vor zehn Jahren ein Verein hervor ging. Vom Bürgermeister wurde sie beauftragt, sich um die Ortsgeschichte zu kümmern und die Chronik der großen Tochter Wiederaus aufzuarbeiten. "Damals lag die mannshohe Statue Clara Zetkins im Gebüsch. Randalierer hatten sie umgestoßen", erinnert sich die Seniorin.
Die alte Dorfschule auf dem Kirchhof wurde 1952 in eine Gedenkstätte für Clara Zetkin umgestaltet. Die Besucher erfahren dort viel aus dem Leben der Sozialistin, die am 5. Juli 1857 in Wiederau geboren wurde und die sich Zeit ihres Lebens für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzte. "Zu DDR-Zeiten wurden einige Lebensbereiche der Widerstandskämpferin ausgeblendet, weil sie nicht in das Bild passten. Durch Kontakte zu ihren Lebensstationen in Stuttgart, Leipzig und Birkenwerder kann ich auch über das private Leben von Clara berichten. Sie war ein normaler Mensch mit Schwächen", erklärt Bergmann.
Zum 150. Geburtstag Clara Zetkins 2007 präsentierten die Mitglieder eine neu gestaltete Ausstellung über Leben und Wirken der Frauenrechtlerin. "Selbst Geschichtslehrer aus DDR-Zeiten sind erstaunt über Lebensstationen Claras, die sie bislang nicht kannten", berichtet Ursula Bergmann von ihren Führungen. Froh sind die Mitglieder des Heimat- und Natur-Ortsvereins Königshain-Wiederau auch über die Verbindung zu Zetkins Großnichte Liselotte Kolb in den USA. Allerdings haben die Besucherströme im Museum merklich nachgelassen. Im Vergleich: 1984 waren es mehr als 6000. Voriges Jahr kamen gerade mal 241. "Was fehlt, sind Schulklassen", stellt auch Vorstandsmitglied Renate Dibowski fest. Deshalb will man nun Kontakt mit den Grundschulen aufnehmen, um die Kinder für die Heimatgeschichte zu sensibilisieren.
Service: Feier zum Frauentag am 8. März
Im Museum "Alte Dorfschule" in Wiederau wird am 8. März Frauentag gefeiert. Die Feier mit Imbiss und Musik beginnt am Montag, 9.30 Uhr. Danach legen Mitglieder der Partei Die Linke Blumen am Denkmal Clara Zetkins nieder. Anmeldung unter Telefon 037202 85811.


