Kim Winter aus dem Peniger Ortsteil Thierbach stellt während der Ferienakademie "Musik und Medien" auf Schloss Colditz ihr Können unter Beweis.
Foto: Marion Gründler
Mit "Little Amadeus" zum Talent
Kim Winter aus Thierbach gehört zu jüngsten Teilnehmern der Ferienakademie "Musik und Medien" auf Schloss Colditz
Penig/Colditz. Penig/Colditz. Allmählich zieht Ruhe in den verspiegelten Kammermusiksaal ein. Ensembleleiterin Thu Trang Nghiem gibt das Zeichen zum Probebeginn. Knapp 20 talentierte Nachwuchsmusiker konzentrieren sich auf ihre Geigen, Klarinetten, Flöten, Hörner und Pianos - und Saint-Saens' "Karneval der Tiere".
Auch Kim nimmt Haltung an und greift zu Bogen und Violine. Die Augen der Neunjährigen aus dem Peniger Ortsteil Thierbach glitzern. In der prickelnden Atmosphäre des Ensembles fühlt sie sich wohl. Das ist schon was anderes als stundenlanges Üben als Einzelkämpferin zu Hause in ihrem Zimmer. Hier ist höchste Präzision gefragt, das perfekte Gehör, Rhythmusgefühl und eine traumwandlerische Sicherheit im Umgang mit Bogen und Griffbrett. Das "Küken" im Kreis der Instrumentalisten hält mit. Vier Jahre Musikschulbesuch zahlen sich aus.
Kim entdeckte ihre Liebe zur Musik als Vierjährige zufällig übers Fernsehen. "Meine Lieblingssendung im Kinderkanal hieß 'Little Amadeus'. Darin ging es um Mozart, und ich fand die Geschichten spannend", erzählt das Mädchen. "Und dann habe ich meine Mutti so lange angebettelt, bis sie mir eine Geige geschenkt hat." Was andere nach Wochen ermüden und die Flinte ins Korn werfen lässt, machte Kim nichts aus. "Los ging es erst mal mit der richtigen Körperhaltung und darum, ein Gefühl für den Bogen zu bekommen. Das eigentliche Spielen kam erst viel später", schildert sie.
"Es ist ein bisschen wie Schwimmen mit Schwimmflügeln", erklärt Thu Trang Nghiem. Anders als zum Beispiel bei der Gitarre werde die Violine ohne Bünde gespielt. "Die Schüler müssen ein Gefühl dafür entwickeln, wo sie Finger und Bogen setzen müssen, um den richtigen Ton zu treffen. Der Schwierigkeitsgrad für Anfänger ist weit höher, und die weniger Talentierten lassen die Finger von der Geige."
Kim gehört zur Gruppe der sogenannten Mozartkinder. Hier fühlt sie sich genau richtig. Neben den Kompositionen des Salzburger Vorbildes sind die Tage in Colditz mit musikunterstützter Bewegungsarbeit und der "Mozart-Andacht" ausgefüllt. "Das hört sich zwar hochtrabend an, tatsächlich steckt nichts weiter dahinter als die Beschäftigung mit dem Wirken Mozarts", sagt Frank Streuber. Das Vorstandsmitglied der Sächsischen Mozartgesellschaft ist während des Seminars fürs "Schwere Blech" zuständig und nimmt die Mozartkinder unter seine Fittiche. Der Verein hat sich die gezielte Förderung von Kindern und Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben und ebnet Hochtalentierten die Wege zur Entfaltung. "Etwas besseres konnte mir gar nicht passieren", ist sich Kim sicher. Zum Beruf will sie die Musik jedoch nicht machen. "Geologie und Biologie sind eher mein Ding. Aber das muss man abwarten", sagt sie.


