Reisen nach Großbritannien sind diesen Sommer nicht in, weiß Volker Endmann vom Reisebüro in Rochlitz.
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Rochlitzer fahren lieber ans Mittelmeer als nach London
Olympische Spiele haben wenig Anziehungskraft
Geringswalde/Penig/Rochlitz. Eine wahre Touristenflut sollte der Olympischen Sommerspiele wegen London überschwemmen. Das waren die Erwartungen der Organisatoren - vielleicht stellen sie sich als zu ambitioniert heraus. Die Ränge in den Stadien sind bis dato nicht immer gut gefüllt. Und Mittelsachsen scheinen auch nicht viele darunter zu sein, wie eine Umfrage unter hiesigen Reisebüros offenbart.
Karina Landgraf vom Peniger Reisebüro Landgraf: "Es hat zwar Anfragen wegen der Olympischen Spiele gegeben, aber viele waren es in der Tat nicht." Die wenigen Männer und Frauen, die auf die Reisefachfrau zugekommen sind, scheinen außerdem sehr langfristig zu planen. "Die Leute sind teilweise schon vergangenes Jahr an uns herangetreten", sagt sie. Ihre Kunden bevorzugen statt des hektischen Londons, das zugleich als teuer verschrien ist, augenscheinlich Sonne, Strand und Meer. Die Türkei, Bulgarien, aber auch Reisen mit Kreuzfahrtschiffen auf dem Mittelmeer beziehungsweise im nordeuropäischen Atlantik stünden, so Landgraf weiter, in der Gunst weit oben. "Auch Bali und Thailand sind sehr beliebt."
Ein ähnliches Bild in Rochlitz. "Für Olympia lagen uns von Reiseanbietern auch keine speziellen Angebote vor", sagt Volker Endmann vom gleichnamigen Reisebüro in Rochlitz. Seine Kunden erholen sich im diesjährigen Sommerurlaub vorwiegend in der Türkei, Bulgarien, Spanien und Griechenland. Das klassische Fernziel bleibt seiner Meinung nach die Karibik. "Zugenommen haben die Buchungen bei Kreuzfahrten. Mit dem Schiff wollen die Passagiere Neues kennenlernen und in kurzer Zeit viel erleben, was ja durch die Landausflüge durchaus geboten wird", erzählt Volker Endmann.
Reisen in den Mittelmeerraum stehen bei den Buchungen im Kedo-Reiseservice Rochlitz ganz obenan. "Mallorca, Türkei, Bulgarien und die Kanaren sind vor allem bevorzugte Ziele von Familien mit Kindern", weiß Mitarbeiterin Stefanie de la Barré. Dabei werden die gebotenen Frühbucherrabatte und andere Vergünstigungen gern mitgenommen, hilft es doch, die Urlaubskasse etwas zu entlasten. Dagegen seien die Nachfragen nach den klassischen Last-Minute-Angeboten laut de la Barré stark zurückgegangen.
Das bestätigt auch Petra Hinze, Inhaberin des Reisebüros "Ex Aequo" Geringswalde. Abgelehnt werde von den Kunden nach dem Schiffsunglück der Costa Concordia eine Reise mit der Reederei Costa Crociere. Bevorzugt gehen diese jetzt mit den Reedereien Aida Cruises und Tui Cruises auf große Fahrt. Die Renner seien bei den Buchungen wie in den Jahren zuvor die Türkei, Bulgarien, Mallorca und die Kanaren. "Für den schmaleren Geldbeutel stehen Urlaubsziele mit individueller Anreise innerhalb Deutschlands und Italiens hoch in der Gunst. Und die Dauer des Verreisens ist von 14 auf zwölf Tage zurückgegangen", erzählt Petra Hinze. Ein älterer Frührentner aus Köln, den sie liebevoll "mein Weltenbummler" nennt, bucht seit Jahren den Urlaub bei ihr, bevorzugt Pilot- und Studienreisen in ferne Länder. Zu Weihnachten und Silvester zieht es den Rheinländer für mehrere Wochen nach Kuba.
Allerdings darf das mangelnde Interesse der Mittelsachsen an Reisen nach London nicht gleichgesetzt werden mit mangelndem Interesse an Olympia. Zwar wird die britische Hauptstadt von den Urlaubern links liegen gelassen, aber die Wettkämpfe verfolgt am Bildschirm ein Millionenpublikum. Der David-Storl-Fanclub Döhlen etwa trifft sich mit den Einwohnern zum Fernsehgucken am Freitagabend. Eigens dafür wurde ein größerer Raum angemietet.

