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Janine und Heiko Tillmann mit Sohn Domenic und Friesen-Stute Maja haben sich dieses Hofes in Steudten angenommen.

Foto: Mario HoeselBild 1 / 3

Warum junge Familien aufs Land ziehen

Sie schätzen die Ruhe, die Natur, die dörfliche Idylle. Um all das genießen zu können, haben sich drei Familien für ein Leben in Steudten entschieden. Einige von ihnen nehmen dafür sogar lange Fahrtwege zur Arbeit in Kauf.

Von Christine Hirschfelder
erschienen am 21.03.2017

Steudten. Steudten stemmt sich gegen den Trend zunehmender Landflucht: Sechs junge Familien haben sich in den vergangenen fünf Jahren in dem 83 Einwohner zählenden Dorf angesiedelt. Wie eine Umfrage der "Freien Presse" offenbart, besticht der Ort allen voran mit der ländlich geprägten Idylle. Die Menschen suchen bewusst ein Leben im Einklang mit der Natur. Auch, dass die Kinder ausreichend Platz zum Spielen haben, war ein Entscheidungskriterium.

Das war bei Nico Eppert (34) und seiner Frau Martina (35), die eine Hofstelle mit Garten und einen Ort suchten, wo man Tiere halten kann, nicht anders. Im Dezember hat das Paar mit den beiden Söhnen Jakob (4) und Franz (2) das neue Zuhause bezogen. "Um das Passende für uns zu finden, haben wir lange gesucht. Wir waren sogar auf dem Sprung, um uns in Mecklenburg-Vorpommern diesen Wunsch zu erfüllen", erzählt Nico Eppert. "Die Empfehlung für das leerstehende Anwesen in Steudten kam zur rechten Zeit", fährt er fort. Damals wohnte das Ehepaar, das sich beim Studium in Leipzig kennengelernt hatte, noch in Zschoppelshain.

"Dass wir bei der Leader-Förderung berücksichtigt wurden, dafür sind wir dankbar und froh, denn ohne den finanziellen Zuschuss hätten wir uns wohl kein Wohneigentum schaffen können", sagt der Familienvater, der an der Evangelischen Grundschule in Seelitz unterrichtet. Seine Frau Martina ist an einer Sonderschule in Chemnitz tätig. Während sie aus Schwäbisch-Gmünd stammt, stammt er aus Herzberg.

Bedeutend längere Arbeitswege nehmen Heiko Tittmann und Janine Tittmann-Schmiel auf sich. Sie pendeln täglich von Steudten nach Delitzsch beziehungsweise Oschatz - und das seit anderthalb Jahren. Damals hatten sie das unter Denkmalschutz stehende Gut Porphyrland erworben. "Wir wollen weitestgehend die alte Bausubstanz erhalten. Deshalb wollen wir dieses Jahr den Lehmbau in dem aus dem Jahr 1760 stammenden Wohnhaus voranbringen", sagt sie. Das Dach und die Außenfassade wurden bereits erneuert. Zudem wurde das Fachwerk an drei Seiten hergerichtet. Für diese Arbeiten erhielt die junge Familie, zu der der anderthalbjährige Sohn Domenic gehört, ebenfalls Fördermittel. Beide sind einst auf einem Bauernhof großgeworden. Vielleicht liegt ja darin der Wunsch begründet, Pferde zu züchten. Bereits jetzt grasen auf den angrenzenden Flächen eigene Tiere und Pensionspferde. "Hier haben wir noch freie Kapazitäten", bemerkt die gelernte Tierwirtin, die auch auf Pläne verweist, einige Ferienwohnungen auszubauen.

Auch der 35-jährige Peter Gruttke und die 32-jährige Susann Steinbach-Gruttke haben sich bewusst für ein Leben auf dem Land und in der eigenen Immobilie entschieden. Das war 2012 und wohl eher dem Zufall geschuldet. Die Leiterin des Döhlener Kindergartens schaute sich damals in der ehemaligen Kita in Steudten um. Das Gebäude war als mögliche Außenstelle im Gespräch, als es um die Vergrößerung der Einrichtung ging. Letztlich entschied sich der Gemeinderat aber für einen Anbau in Döhlen.

"Von dem Zuschnitt der Räumlichkeiten und dem Außengelände war ich gleich angetan. Ich konnte mir hier unseren Lebensmittelpunkt vorstellen", erinnert sich Susann Steinbach-Gruttke. Als wenige Monate danach das kommunale Objekt zum Verkauf stand, griff die Familie, die ein Jahr später einzog, zu. Seit Ende des Vorjahrs wird im Haus erneut gewerkelt. Das obere Stockwerk soll das neue Reich der dreiköpfigen Familie werden. Der vierjährige Karl-Ludwig kann es offenbar kaum erwarten, bis die Arbeiten fertig sind. Stolz erzählt er, was erledigt und was zu tun ist, auch davon, dass Papa oft auf der Baustelle ist. "Wir fühlen uns auf dem Land wohl", sagt Peter Gruttke, der als Wirtschaftsingenieur täglich nach Dresden pendelt. Anders als die beiden anderen Familien kann sich die Familie nicht auf Fördergelder stützen, "weil die Kriterien auf uns nicht zutrafen", merkt Ehefrau Susann an. Daher macht das Paar mit Unterstützung von Familie und Freunden viel selbst. Angedacht ist in Zukunft, die untere Etage zu vermieten.

Laut dem Seelitzer Bürgermeister Thomas Oertel (parteilos) haben junge Familien nicht nur Steudten für sich entdeckt, sondern auch Fischheim, der Ortsteil mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt. Von den 74 Einwohnern sind 13 jünger als 18 Jahre. Und in Döhlen und Zetteritz sei Bauland besonders begehrt. Oertel hat eine Erklärung dafür: "Die Nähe zur Autobahn, die Lage im Städtedreieck Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie die Lebensverhältnisse im ländlichen Raum haben dabei sicher mit den Ausschlag gegeben." Nicht zuletzt helfe, wie er sagt, die finanzielle Unterstützung aus dem Leader-Programm "Land des Roten Porphyr".

 
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