Homöopathin Paula Die Homöopathin Paula sorgt sich um Regierungsassistent Würfel und findet sich bei ihm auf der Couch wieder. Aber auch die anderen Damen und Herren tragen erfolgreich zum "Babyboom" im Kranichdorf bei.

Foto: Ulli Schubert

Theaterstück "Babyboom": Potente Männer im Ort gesucht

Schauspieler geben in Eppendorf nicht ganz ernst gemeinte Ratschläge

Eppendorf. Rund 100 Eppendorfer, aber auch Einwohner umliegender Orte, wollten genau wissen, was es mit dem Baby-Boom im Kranichdorf auf sich hat. Autorin Ulrike Seyfert hat das bereits im Herbst 2010 uraufgeführte Stück aufgefrischt und gemeinsam mit ihren Mitstreitern aus der Theatergruppe am Sonntagnachmittag erneut auf die Bühne des "Prinz Albert" gebracht.

Das Kranichdorf ist das Schlusslicht in ganz Sachsen, was die Zahl der Geburten betrifft. Bürgermeisterin Undine (Ulrike Seyfert), eigentlich jedem Stress im Amte abhold, treibt dieses Problem dann doch um. Um Abhilfe zu schaffen, knüpft sie mit Azubine Susanne (Scully Hellwig) ein feines Gespinst, an dem zu gern auch die anderen Frauen unter 40 mitwirken. Selbst Pfarrerin Grete (Marie-Luise Prüfer) avanciert zur Mittäterin in Sachen Kuppelei, ja sie fühlt sich gar hingezogen zu jenem feinen Herrn, der eingetroffen ist, die Situation zu überprüfen.

Doch haben die Damen noch ein anderes Problem ausgemacht: Es fehlt an potenten Männern im Dorf, wie von der Bühne laut in den Saal gerufen wird. Das sorgt dort für Heiterkeit, wie manche andere Spitzen und kleine Bösartigkeiten ("Im Rathaus wird nicht gehastet.").

Und es wird hier nicht verschwiegen, dass auch Journalisten einen Seitenhieb abbekommen. Wie auch immer. Der Mann, auf den nun höchste Herausforderungen warten, ist Klempner Georg (Rudolph Seyfert). Jener entsagt flugs dem Trunk wie auch dem Kartenspiel und verschwindet mit der taffen Wirtin Verena (Christina Eppendorfer) im Keller. Um ein Fass anzustechen. Was sonst?

Einige Techtelmechtel weiter findet der erschöpfte Klempner in Regierungsassistent Wilhelm Würfel einen verständnisvollen Zuhörer. Philipp Neubert, der diese Figur verkörpert, hat seit seinem Einstieg in die Laienspielschar vor einem Jahr einen deutlichen darstellerischen Qualitätssprung gemacht. Gefragt sind aber eigentlich ganz andere Sprünge. Und so opfert sich der Regierungsassistent ohne viel Federlesens dem gesamtgesellschaftlichen Interesse. Er hat übrigens seine Liebhaberin im Schlepptau: Die stolze Tanzlehrerin Juana (Sophie Seyfert), die im Valentins-Zimmer logiert und auch gewisse Absichten hat. Am Ende weiß man nicht mehr so recht, wer wann mit wem und wo schon gar nicht. Das Ergebnis zählt: Sieben Kinder werden im Kranichdorf demnächst erwartet. Die Rote Laterne kriegt jetzt ein anderer Ort.

In dem Lustspiel mischten auch eine sphärische Homöopathin Paula (Josi Kehr), ein sich vom Kotzbrocken zum netten Mann wandelnder Fritz Finsterbusch (Julien Seerig) und eine ebenso handfeste wie tierliebende Elli vom Bauhof (Kerstin Neubert) mit. Ein spürbar spielfreudiges Ensemble agierte nahezu sattelfest und unterhielt bestens ein ebenso gut gelauntes Publikum, das mit Beifall nicht sparte. Auch Feuerwehrchef Tino Hübler bereute nicht den Ausflug der ganzen Familie zu den Theaterleuten. Die dürften nun einen weiteren Grund zum Weitermachen haben. Ulrike Seyfert übrigens, die ja Erfahrung als stellvertretende Bürgermeisterin hat, bleibt dabei: "Das Stück ist rein fiktiv." Wollen wir mal schauen, wie die Lage in neun Monaten ist.

 
erschienen am 06.02.2012 ( Von Ulli Schubert )
 
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