Hinter der Freifläche für den künftigen Park der Generationen fließt die Göltzsch, an der ein Grünstreifen entsteht, der sich rechts außerhalb des Fotos fortsetzt. Ob er jedoch nur der Umsetzung des Wassergesetzes dient, daran hegen Grundeigentümer Zweifel. Es gibt Gesprächsbedarf.

Foto: Silke Keller-Thoss

Anwohner warnt vor Enteignung

Änderungen im Flächennutzungsplan führen zu Grundstücksabwertungen

Auerbach. Die derzeitigen Änderungen im Flächennutzungsplan der Stadt Auerbach sind oft gering, aber sie haben es in sich. Grundstückseigentümer entlang der Göltzsch sind in Aufruhr und befürchten eine gravierende Abwertung ihrer Flächen.

Beispielsweise Steffen Boigk. Der Eigentümer des Firmengeländes Crinitzleithen 5 beziffert den Wertverlust für sein Grundstück im Mischgebiet allein auf 80.000 Euro. Mit 33 Euro je Quadratmeter stand sein einst teuer erworbenes Grundstück in den Listen des Gutachterausschusses, der die Flächenpreise im Vogtland im Auge hat und Richtwerte festlegt. Doch zum Grünland abgewertet sei der Streifen an der Göltzsch nur noch einen Bruchteil dessen wert. Seine Vermutung: Baubürgermeister Gerd Badstübner nutze den Flächennutzungsplan "missbräuchlich zur Grundstücksentwertung", wie Steffen Boigk betont. "Das ist nichts anderes als Enteignung."

Stadt: Gesetzgeber fordert das

Ein Vorwurf, den Gerd Badstübner auf Anfrage der "Freien Presse" zurückweist. Der Flächennutzungsplan der Göltzsch-Kommunen Falkenstein, Ellefeld, Auerbach und Rodewisch sei seit 2004 in Kraft und befinde sich jetzt im Änderungsverfahren. Die Stadt Auerbach setze entlang der Göltzsch mit fünf Meter breiten Streifen innerorts und zehn Meter breiten Streifen außerorts das Sächsische Wassergesetz um, das ein Freihalten von Bebauung vorschreibe. "Das Grundstück von Herrn Boigk ist betroffen", räumt Badstübner ein und deutet erstmals ein Einlenken an. "Wenn es keinen Konsens gibt, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen."

Doch Grundstückseigentümer Boigk bleibt misstrauisch. Er hat den aktuellen Flächennutzungsplan im Auerbacher Rathaus abfotografiert und dabei festgestellt, dass der Streifen auf seinem Areal 14 statt fünf Meter breit ist. Bei einem anderen Betroffenen sei er sogar auf 22 Meter Breite gewachsen. Als er jüngst in der Bürgerfragestunde der Stadtratssitzung nachfragte, habe die Verwaltung keinerlei Einlenken gezeigt. Warum also sollte er der Verwaltung glauben, betont der Grundstückseigentümer.

Der Grünstreifen sei aus rein fachlichen Erwägungen in den Plan aufgenommen worden und besitze nur für die Verwaltung Rechtsverbindlichkeit, nicht aber für die Eigentümer, beteuert Badstübner.

Gespräche sollen Konflikt glätten

Doch betroffen fühlen sich auch andere Grundstückseigentümer entlang der Göltzsch, darunter mit dem Modemarkt Kress ein deutschlandweit über 30 Filialen und 500 Mitarbeitern zählendes Unternehmen. Grundsätzlich bestätigt auch Rainer Kress den Konflikt um die Änderungen im Flächennutzungsplan, allerdings möchte er sich gegenwärtig nicht dazu äußern. Dazu sei ein Termin mit der Stadtverwaltung Auerbach vereinbart. "Wir wollen diesem Gespräch nicht vorgreifen", erklärt der Geschäftsmann.

 
erschienen am 19.09.2011 ( Von Ulrich Riedel )
 
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