Die Bibliothek für alle ist passé
Konzept bis 2015: Stärkere Orientierung an Zielgruppen und Leseförderung
Auerbach. Auerbach. Ein "Abschied von der Bibliothek für alle" ist das Konzept für die Entwicklung der Auerbacher Stadtbibliothek bis 2015, das am Montag von der Leiterin der Einrichtung, Anja Schamberger, dem Auerbacher Stadtrat vorgestellt worden ist.
Man will sich in Zukunft stärker an Zielgruppen orientieren, wegkommen von einer rein quantitativen Bewertung der Leistungen und sich mehr an den Problemlagen der Stadt orientieren. Die Analyse des Umfeldes, Grundlage des Konzeptes, hat für die Bibliotheksleiterin zum Teil erschreckende Zahlen gebracht: So haben 9,5 Prozent der Schulabgänger der Stadt Auerbach keinen Abschluss, bei 13,7 Prozent liegt die Kinderarmut, bei 19,3 Prozent die Jugendarmut.
Eine Abschaffung der Jahresgebühr für Bibliotheksnutzer unter 18 Jahren sei von daher empfehlenswert. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht die Bibliothek in der Leseförderung, und das schon im frühesten Kindesalter. Die Kooperation mit Kindertagesstätten und Schulen will die Bibliothek weiter ausbauen. Noch in diesem Jahr soll der Umbau der Kinderbibliothek in Angriff genommen werden, und eine Familienbibliothek soll in einem bislang als Magazin genutzten Raum entstehen.
Der Medienbestand für diesen Themenbereich - Familie, Erziehung, Psychologie - soll wesentlich erweitert werden. Und auch die Senioren, die Generation 60 plus, ist eine der Zielgruppen, auf die sich die Auerbacher Einrichtung künftig orientieren will.
Das Konzept macht unmissverständlich darauf aufmerksam, dass mit dem derzeitigen Personal und dem Medienbestand das Ziel der Neuorientierung der Bibliothek bis 2015 nicht zu schaffen ist. "Wir wollen mindestens 30 Stunden Öffnungszeit pro Woche anbieten, im Moment sind wir bei 24 Stunden", so Schamberger, die darauf verweist, dass die Auerbacher Bibliothek im Vergleich mit gleich großen anderen weit weniger Beschäftigte hat.
Und auch für die Erneuerung der Medien müsste die Stadt künftig tiefer in die Kasse greifen. Zurzeit sind es 23.000 Euro jährlich, 54.000 Euro wären notwendig.
Die Auerbacher Bibliothek hat sich mit ihrem Konzept am Projekt "Fit für die Zukunft - Entwicklung moderner Zukunftskonzepte für Bibliotheken in Sachsen" als eine von 14 kommunalen Einrichtungen des Freistaates beteiligt.


