Ausstellung Karlheinz Ficker und Carmen Funke mit Fotos aus Werdas Nachwendezeit. Studenten wollen das Projekt aus den 90er-Jahren fortsetzen.

Foto: Silke Keller-Thoss

Fotos halten Dorfentwicklung fest

Ausstellung beleuchtet Werda und Regnitzlosau Anfang der 1990er-Jahre

Werda. Wie war das nochmal, damals, kurz nach dem Mauerfall? Wie sah das Leben in beiden Dörfern aus? Die 30 im Werdaer Schulgebäude platzierten Momentaufnahmen geben Antworten, lassen Erinnerungen wach werden und animieren zu Vergleichen. Vor allem aber erzählen sie mit leisen Tönen und wenigen Worten viel. Da ist das Gespräch über den Gartenzaun. Ein Plausch unter Männern in Freizeit-Arbeitskleidung an der Straße. Funktionierende Nachbarschaftspflege. Vor graubraunen Garagentoren parkt ein himmelblauer Trabant. Das Bild nebenan will sagen: Noch leistet der alte DDR-Campingwagen gute Dienste. Auch ein Vogelhäuschen - offensichtlich Marke Eigenbau - konnte so viel Aufmerksamkeit auf sich lenken, dass es der Fotograf für die Nachwelt festhielt. Beinahe oder tatsächlich Verschwundenes fing seine Kamera genauso ein wie Rituale, die den Menschen beiderseits der ehemaligen Mauer nach wie vor heilig sind.

Eingebettet ist die Ausstellung in ein soziales Forschungspraktikum der Universität Bayreuth. "Zwei Dörfer in Deutschland - Mentalitätsunterschiede nach der Wiedervereinigung" heißt das Projekt. Nicht nur Bildmaterial sammelten Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen Anfang der 1990er-Jahre, sondern auch Informationen. Seit 1994 liegt die vergleichende Dorfstudie als Buch vor.

Derzeit läuft ein neues Projekt, das auf diese Arbeit aufbaut und einen fundierten Vergleich zum Ziel hat. Gerade erst schauten und hörten sich wieder Bayreuther Studenten in Werda um, befragten Einwohner, Gewerbetreibende und Angehörige der Kirchgemeinde. "Jetzt wird die Studie aktualisiert", weiß Bürgermeisterin Carmen Funke (CDU). "Gezeigt werden soll, wie sich die Orte entwickelt haben, was los ist, wie die Infrastruktur aussieht, und auch die Demografie wird betrachtet." Mit Ergebnissen rechnet sie Mitte 2012.

Eine Partnerschaft zwischen den Forschungsobjekten besteht laut Funke nicht. "Die Universität ist einfach an uns herangetreten, um beide Orte unter die Lupe zu nehmen." Dass Werda ausgewählt wurde, sei "eine positive Sache für unsere Gemeinde". Nächste Woche ist die Ausstellung während der regulären Schulöffnungszeiten noch zu sehen. Dann wandert sie nach Regnitzlosau weiter. Wer sich, Verwandte oder Bekannte in den Motiven wiederfindet, kann übrigens Nachbestellungen aufgeben. Eine Liste liegt im Foyer aus.

 
erschienen am 02.12.2011 ( Von Sylvia Dienel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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