Christian Bretschneider von der Kirchverwaltung und Friedhofsverwalter Bernd Müller wissen um den schlechten Zustand der Mauer um den Rodewischer Friedhof.
Foto: Silke Keller-Thoß
Friedhofsmauer bröckelt vor sich hin
Rodewischer Kirchgemeinde will Einfriedung sanieren lassen - Straßenbau im August wird mit Sorge gesehen
Rodewisch. Rodewisch. Die Mauer am Rodewischer Friedhof entlang der Rützengrüner Straße bröckelt vor sich hin. Das tut sie schon seit geraumer Zeit und der Kirchgemeinde ist bewusst, dass sie einer Sanierung bedarf. Nun sieht man sich aber unter Zeitdruck, denn ab August will der Landkreis die Rützengrüner Straße bauen lassen. Da die Bauarbeiten mit der Erneuerung von diversen Leitungen mit Sicherheit bis an die Mauer heranreichen, besteht die Befürchtung, dass die an sich schon marode Einfriedung noch größeren Schaden nehmen könnte.
Die Kirchgemeinde hat das Bauwerk prüfen lassen. An der etwa 100 Meter langen Mauer hat der Zahn der Zeit genagt. Einige der horizontal geschichteten Platten aus Schiefergestein sind schon sehr locker. "Momentan steht sie noch sicher, aber niemand weiß, wie lange", so Friedhofsverwalter Bernd Müller. Wasserschäden sorgten für Risse und Abplatzungen. Man vermutet, dass der starke Verkehr auf der Rützengrüner Straße zum schlechten Zustand der Mauer beigetragen hat. Deutlich zu sehen ist, dass die Mauer an einigen Stellen regelrecht ausgebeult ist.
Rund 45.000 Euro würde die Sanierung kosten. Dabei würde man sich schon für die billigere Variante entscheiden, so Christian Bretschneider von der Kirchverwaltung. Laut dieser sollen die Abdeckungen abgenommen, alter Putz entfernt werden, instabiles Mauerwerk abgebrochen, alles gereinigt und der Mauerfuß trocken gelegt werden. Ein Komplettabbruch und Neuaufbau wäre wesentlich teurer geworden. Von der Stadt wurde versprochen, so Bretschneider, einen Teil der Sanierungskosten zu übernehmen. "Schließlich werden auf unserem Friedhof auch konfessionslose Menschen beerdigt, von daher sehe ich die Stadt in der Pflicht, sich auch um den baulichen Zustand der Anlagen zu kümmern."
Aber die marode Mauer ist nicht die einzige Sorge der Rodewischer Kirchgemeinde. Auf dem etwa einen Hektar großen Friedhofsgelände befinden sich zahlreiche große Familiengräber in einem bedauernswerten Zustand. "Oft gibt es keine Angehörigen, oder sie wohnen so weit weg, dass sie sich nicht mehr darum kümmern können", so Bretschneider. Weil aber gerade diese besonders gestalteten Grabstätten, die meist Familien zuzuordnen sind, die mit der Industriegeschichte Rodewischs verbunden sind, das Gesicht des Friedhofs prägen, setzt die Kirchgemeinde viel daran, sie erhalten.
Wie zum Beispiel die Grabstätte einer Familie Frister, die einer Säulenhalle nachempfunden ist. Nur noch mit Sicherungsseilen kann die Konstruktion stabil gehalten werden. Oder die Grabstätte der Familie Schmidt, die früher eine Brauerei in Rodewisch betrieben hat. Die Gruft der Familie, die einmal Besitzer der Filztuchfabrik Rodewisch war, musste dem Bau der neuen Friedhofskapelle weichen.
Die dort befindliche Jesus-Figur, eine Galvano-Plastik, hatte man an die Kirche versetzt. Auch ihr haben Wind und Wetter über die Jahre zugesetzt, sie wurde jetzt erst einmal zur Begutachtung in eine Werkstatt nach Bad Elster gebracht. Das Geld, um sie zu sanieren, hat die Kirchgemeinde zurzeit nicht. "Wir werden vom Denkmalschutz immer wieder ermahnt, das alles zu erhalten. Das wollen wir auch, aber leider gibt es dazu keinerlei Fördergelder", beklagt Bretschneider das Dilemma, das auch für die Friedhofsmauer zutrifft.


