Der Stolleneingang an der B 169 in Auerbach wurde mit Maschendrahtzaun gesichert. Die am linken Bildrand zu sehenden Autos stehen auf dem Gelände des ehemaliges Gesundheitsamtes.
Foto: Silke Keller-Thoss
Gefahr droht aus Auerbachs Unterwelt
Alte Bergbau-Stollen aus dem 16. Jahrhundert geben den Behörden Rätsel auf
Auerbach. Mehrere Auerbacher "Freie Presse"-Leser wollten in den vergangenen Tagen wissen, was es mit dem Maschendrahtzaun an der B 169 nahe des ehemaligen Gesundheitsamtes an der Schulstraße auf sich hat. "Beim Abriss des Gesundheitsamtes des Vogtlandkreises wurde im Vorjahr ein Schacht entdeckt und ans Oberbergamt in Freiberg gemeldet", sagt der Auerbacher Pressesprecher Hagen Hartwig. Der Eingang wurde mit Zaun gesichert.
Das Freiberger Amt hat mit den Planungen für eine Erkundung der Schächte begonnen, weil von ihnen eine "verborgene, zurzeit noch nicht näher zu begrenzende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgehen kann", sagt Werner Kleine, Leiter der Abteilung Steine-Erden-Bergbau, Markscheidewesen in Freiberg. Betroffen ist das Gelände zwischen der B 169 und dem Goethe-Gymnasium und wahrscheinlich noch darüber hinaus. Die Vorbereitungen erweisen sich aber als schwierig, weil es kaum Karten von den alten Gängen gibt.
Probleme könnten nach Auskunft des Abteilungsleiters entstehen, weil "alte Sicherungsmaßnahmen der Gruben aus der Sicht der heutigen Nutzung der Oberfläche nicht mehr ausreichen" - wenn es denn in den vergangenen Jahrhunderten überhaupt Sicherungen gegeben hat. Aus alten Beschreibungen geht hervor, dass es mehrere größere von den Experten als Gruben- und Weitungsbaue bezeichnete Stollen mit geringer Überdeckung beim Fußweg an der B169 sowie unter dem Goethepark und dem Goethe-Gymnasiums geben soll. Eine weitere Gefahr stellt das den Berg hinabrinnende Wasser dar, das unkontrolliert durch den Baugrund der B 169 in die Göltzsch dringt. "Unterspülungen könnten zu Einbrüchen bei der Straße führen." Kleine rechnet damit, dass aufgrund des fehlenden Ablaufes und des Absaufens alter Gruben- oder Weiterungsbaue ein "vermutlich erhebliches Wasserreservoire vorhanden ist". Das heißt, dass sich unter der Erde in dem Gebiet ein Teich befindet. Aufgrund der Gefahren wurden Auerbach und der Vogtlandkreis gebeten, die Oberfläche im betroffenen Gebiet auf beginnende Einbrüche zu beobachten.
Bei den alten Grubenbauen an der Bundesstraße handelt es sich um den Heiligen Brunnen Stollen sowie den Elisabeth Stollen. Beide sollen aus dem 16. Jahrhundert stammen - der Hochzeit des Bergbaus in der Stadt. Das Mundloch des Heiligen Brunnen Stollens wurde mit dem Bau der Reichsstraße 169 (heutige B 169) 1933/34 umgebaut und der Heilige Brunnen auf die andere Seite des Göltzschufers verlegt.


