Turm von St. Laurentius benötigt "Korsett"
Geläut wird zur Herausforderung für die Kirchgemeinde
Auerbach. Auerbach. Nachdem die neue Glocke für das Geläut der St.-Laurentius-Kirche Auerbach gegossen worden ist, steht die Kirchgemeinde vor einer neuen Herausforderung: Um dem Kirchturm für die Schwingungen des künftigen vollständigen Geläuts Stabilität zu geben, braucht der ein "Korsett". Die geschätzten Kosten dafür liegen bei 260.000 Euro. Geld, das die Kirchgemeinde zurzeit nicht aufbringen kann.
Doch zunächst einmal freut man sich, dass man mit dem Guss der neuen C-Glocke "auf gutem Weg ist", formulierte es Superintendent Hesse zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins Musik und Denkmalpflege an St. Laurentius. Wie Hesse erläuterte, war es eher einem Zufall zu verdanken, dass man die Probleme mit dem Kirchturm rechtzeitig erkannt hat. "Ursprünglich sollte eine kleinere Glocke gegossen werden. Davon ausgehend, hat man die Schwingungen des Turms beim Läuten gemessen und festgestellt, dass die kleine Glocke dem Turm noch einen zusätzlichen Schubs gegeben hätte. Eine Situation, in der mir alles andere als zum Lachen zumute war", so der Superintendent.
Problem per Zufall erkannt
Um dem Dilemma zu begegnen, wird auf zwei Schienen gearbeitet: Ähnlich wie orthopädische Schuhe sollen für die Aufhängung der Glocken besondere Joche angefertigt werden, die ein Gegengewicht bilden. Wenn das Geläut komplettiert ist und die Joche fertig gestellt sind, muss erneut geprüft werden, wie alles zusammen schwingt. "Das Ergebnis kann heute noch keiner voraussagen", so Hesse.
Um aber, was den Turm betrifft, auf der sicheren Seite zu sein, soll ein weiteres Vorhaben vorangebracht werden. Am Turm sind Risse sichtbar, er braucht eine Hilfskonstruktion, um ihn zur Ruhe zu bringen. Um die Finanzierung dieses Vorhabens auf die Reihe zu bekommen, bedarf es noch vieler Gespräche und Verhandlungen, so der Superintendent. Großes Vertrauen setzt er auf die Kirchgemeinde und den Förderverein, der bereits mit Spenden andere Vorhaben möglich machte. Unterstützung hat auch die Stadt in Aussicht gestellt, etwa Fördermittel über die Stadtsanierung.
Glockenstuhl muss runter
Gemeinsam mit der neuen Glocke müssen die beiden auf dem Turm von St. Laurentius verbliebenen Glocken schließlich zu einer Spezialfirma nach Berlin, wo die besonderen Joche angefertigt werden. Die Demontage von Glockenstuhl und Glocken erfolgt am Donnerstag vor Ostern. Dann müssen die Auerbacher eine ganze Zeit lang erst einmal ohne den Glockenklang von der Stadtkirche auskommen.
Der Förderverein Musik und Denkmalpflege an St. Laurentius unterstützt, wie es der Name schon sagt, auch die kirchenmusikalische Arbeit. "Nur pünktliche Beitragszahlungen und Spenden ermöglichen die Zuwendungen", betonte Vereinsvorsitzender Christian Brückner zur Jahreshauptversammlung. So gab es eine Zuwendung von 1500 Euro und noch einmal eine Hilfe in Höhe von 4000 Euro zur Finanzierung des Zusatzbalgs für die Jehmlich-Orgel in der St.-Laurentius-Kirche.
Ebenso sei auch die Bereitschaft der Fördervereinsmitglieder, die Aufsicht bei offener Kirche oder bei der Orgelmusik zur Mittagszeit, das Schmücken der Kirche zu Erntedankfest und Weihnachten und zur Absicherung des Imbiss zum Altmarktfest zu übernehmen, zu würdigen.


